Oktober 5, 2009 um 14:24
verfasst von Stefan Haussner
Nachdem wir ja eigentlich schon seit genau 2 Monaten in Ouagadougou sein und theoretisch schon Jan und Nils aus dem Land gejagt haben wollten, wollen wir uns nun endlich mal vorstellen. Leider immer noch von Deutschland aus.
Wir, das sind Marco Obrecht aus Stuttgart und Stefan Haußner aus Rösrath.
Wie auch bei unseren Vorgängern haben die Vorbereitungen auf unseren Dienst natürlich schon viel früher angefangen. Wir schrieben Ende November unsere Bewerbungen und wurden für Januar zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Wenige Tage später erreichte uns der Anruf, dass wir die Glücklichen wären die für SEWA dieses Jahr nach Burkina reisen.
Es begann die Zeit des Kennenlernens, zunächst per Skype und Mail, im Mai dann aber auch persönlich auf dem internen Vorbereitungsseminar in München.
Dort lernten wir auch einige aktive Mitglieder von SEWA kennen, die uns möglichst viel von ihren Erfahrungen aus Burkina mit auf den Weg geben wollten. Wir bekamen schon einige Worst-Case-Stories erzählt, wurden aber auch immer wieder ermutigt, dass sich bisher jede SEWA-Generation verbessert hätte und dass das auch dieses Jahr so sein würde.
Aufgrund der großen Erfahrung die SEWA mittlerweile im Umgang mit Freiwilligen hat, fassten wir sehr schnell großes Vertrauen in die Organisation und freuten uns mehr und mehr auf unseren Abflug. Wir waren auch die erste Generation die Souleymane Sow, den Chef von SEWA Burkina und Microsow, schon vor ihrer Ankunft in Burkina kennen lernte.
Einen endgültigen Startschuss stellte dann das fid-Seminar im Juli dar. Wir verbrachten 10 Tage in Köln und besprachen mit 25 weiteren Freiwilligen aus den verschiedensten Organisationen und Ausreiseländern unzählige Themen die das Thema Freiwilligendienst betreffen. Uns wurde schnell klar, wie viel wir noch nicht wussten oder worüber wir uns noch gar keine Gedanken gemacht hatten, waren aber auch überrascht wie gut wir von SEWA vorbereitet worden waren und wir im Gegensatz zu vielen anderen unser Arbeitsfeld schon recht genau definieren konnten.
Nun waren noch die letzten Vorbereitungen zu treffen: Jan und Nils schickten uns eine Einkaufsliste mit Sachen, die wir in Ouaga evtl. könnten oder die für die Arbeit im Büro wichtig sind wie z.B. eine Festplatte oder DVD-Rohlinge.
Es hieß aber auch Abschied von Familie und Freunden zu nehmen. Es wurde also noch mal kräftig gefeiert während man in den letzten Wochen merkte, wie viel man doch vergessen hatte und was man noch erledigen musste.
Wir hatten schon angefangen zu packen als Philip anrief. Stefan war grade bei seinen Großeltern um sich zu verabschieden, als die Nachricht wie eine Bombe einschlug: Scheiß Nachrichten. Ihr könnt nicht fliegen. Stefan rief Marco an der zunächst mal mit den Worten antwortete: Alter, du verarscht mich!. Nein, tat er nicht.
Nach einigen Telefonaten und Skype-Konferenzen war die Sache weitestgehend klar. Mindestens bis zur Bundestagswahl würden wir wohl nicht ausreisen können.
Jetzt begann erstmal die Zeit gekommen, in der wir viel Zeit hatten, denn soviel hatten wir uns für Deutschland nicht mehr vorgenommen.
Die Koffer wurden wieder ausgepackt oder voll auf dem Speicher verstaut.
Es vergingen einige Stichtage, an denen wir doch noch hofften auszureisen und jetzt warten wir immer noch zuversichtlich auf den 20. Oktober.
Wir beide sind immer noch überzeugt davon, unseren Dienst in Burkina Faso zu leisten und sitzen deshalb weiter trotzig auf unseren Koffern. Wir hatten beide auch schnell für uns entschieden unseren Dienst nur für SEWA zu machen, da uns beiden diese Organisation mittlerweile ans Herz gewachsen ist und das schon vor unserem intensivsten Jahr.
Wir hoffen bald frohe Neuigkeiten verbreiten zu können und baldige Blogeinträge auch aus Ouagadougou schreiben zu können.
September 10, 2009 um 10:37
verfasst von Jan Sonntag
In Ouagadougou gibt es neben dem gerade neu eröffneten großen Markt in der Innenstadt in jedem Viertel einen eigenen Markt, auf dem man alles findet, was man im täglichen Leben braucht. Hier ein kleiner Rundgang auf dem Markt unseres Viertels Somgandé:
Am 18. August hat Jan Burkina Faso verlassen und ist nach knapp 13 Monaten in Westafrika wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Eine kleine Geschichte eines schweren Abschieds und einer langen Reise.
Es sollte meine letzte Nacht in Ouaga werden. Nachdem ich die letzte Mücke unter meinem Moskitonetz erlegt hatte und mich hingelegt hatte, war die Müdigkeit des Tages verschwunden. Anstatt einschlafen zu können hörte ich mir ein letztes Mal die vertraute nächtliche Geräuschkullisse Somgandés an: Das dröhnende Wummern des Kraftwerks das vom anderen Ufer des großen Stausees herüberschallt, ab und an ein Motorrad und schließlich die Gesänge der Muezine, die die Gläubigen zum Gebet rufen. Ein gutes Jahr hatte ich nun in diesem Land verbracht, unzählige schöne, schwierige aber vor allem einmalige Momente erlebt. Und ich kann es nicht leugnen, ich bin ziemlich wehmütig geworden. Die neugewonnenen Freunde zurückzulassen ist mir nicht leicht gefallen.
Doch auch Burkina schien mich nicht so schnell loswerden zu wollen. Denn als mich am nächsten Abend meine Freunde und Kollegen an den Flughafen brachten und ich mich eigentlich schon von allen verabschiedet hatte, stellte sich heraus, dass mein Flieger in dieser Nacht nirgends hinfliegen würde: die marokanischen Piloten streikten. Stattdessen vertröstete man uns auf den nächsten Tag. Okay, also ab nach Hause, um eine allerletzte Nacht in Ouaga zu verbringen.
Der nächste Tag war ein wenig ulkig, da alle das Gefühl hatten Gespenster zu sehen wenn ich aufkreuzte. Der zweite Versuch in Ouaga abzufliegen begann wenig vielversprechend: Endlose Schlangen von Flugpassagieren, die durch den Streik schon mehr als 40 Stunden in Ouaga festsaßen, ließen alle Hoffnungen auf einen Platz im Flieger verschwinden. Nach einigen Stunden Wartezeit klappte es aber doch noch und mit knapp 19 Stunden Verspätung verließ ich Ouaga in Richtung Niamey, Casablanca und schließlich Frankfurt.
Schon auf der Landebahn des frankfurter Flughafens machte sich der erste kleine Kulturschock bemerkbar: Es war so viel los! Ich hatte ein Jahr in einer Stadt gelebt, in welcher der Flughfen in der Mitte der Stadt liegt, was aber niemanden stört, da am Tag sowieso nur etwa fünf Flieger landeten. In Frankfurt jedoch ein weitaus weniger gemächliches Bild: als ich die Landebahn hinuntersah konnte ich schon die nächsten vier Flugzeuge ausmachen, die sie anflogen. Auf dem Rollfeld eine Vielzahl an Fahrzeugen die in halsbrecherischem Tempo hin- und herdüsten. Kaum am Terminal angelangt fingen meine Landsleute an im Laufschritt zur Gepäckausgabe zu rennen, als würden ihnen ihre Koffer sonst weglaufen. An der Gepäckausgabe angekommen, begrüßt einen ein Monitor: “Ihr Gepäck kommt in 7 Minuten”. Zum ersten mal konnte ich so richtig nachfühlen, was Yéral meinte wenn er sagte “Jeder Europäer hat eine Armbanduhr aber nie Zeit.” Ja, Deutschland ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig nach mehr als einem Jahr in Westafrika.
Zum Abschluss möchte ich all meinen Unterstützern danken, die mir dieses Jahr ermöglicht haben: Allen, die mich mit Spenden und Rat unterstützten, den Aktiven von SEWA, Nils und Lukas und natürlich meinen Kollegen in Burkina. Danke auch an die zahlreichen fleißigen Blog-Leser, die uns durch ermutigende Nutzungsstatistiken immer wieder zu neuen Blogeinträgen angestachelt haben.
Das letzte Kapitel des ADABlogs ist aber hiermit noch lange nicht geschrieben: Wir werden versuchen, noch den ein oder anderen kurzen Artikel zu veröffentlichen und somit die Wartezeit zu überbrücken, bis dann im Oktober unsere Nachfolger Marco und Stefan anfangen können, aus Ouagadougou zu bloggen. Natürlich weiterhin hier auf dem ADABlog!
August 17, 2009 um 16:59
verfasst von Nils Goldbeck
Vergangenen Samstag fand unsere große Abschiedsfeier statt. Wir hatten alle Kollegen und Freunde eingeladen, mit uns einen fröhlichen Abend im Zivi-Haus zu verbringen und noch ein letztes Mal die gemeinsam verbrachte Zeit zu feiern.
Um unsere Gäste auch dem Anlass angemessen bewirten zu können, karrten wir viele Kästen Cola, Fanta, Tonic und Bier an. Außerdem gab es auch lokale Getränke wie Bissap und Somkom. Um die Getränke zu kühlen, holte unser Kollege Hamidou mit dem Mofa große Eisblöcke. Unsere Freundin Kady half uns beim Großeinkauf auf dem Markt und beim Zubereiten von Salaten, wozu wir bei den Mengen unsere riesigen Waschbottiche benutzten. Außerdem bestellten wir bei unserem Lieblingsrestaurant – beim Spaghettimann – je 20 Portionen Riz gras und Spaghetti mit Tomatensauce. Dazu noch fünf gegrillte Hühnchen.
Für den Abend hatten wir uns extra noch traditionelle westafrikanische Festgewänder gekauft, sog. Boubous, womit wir beim Begrüßen der Gäste viel Aufsehen erregten. Wir freuten uns, dass so viele Freunde, die teilweise recht weit weg wohnen, kamen um sich von uns zu verabschieden. So wurde es recht voll im Zivi-Haus, aber die Stimmung war richtig gut. Nach dem Essen wurde bald die Tanzfläche eröffnet und bis in den frühen Morgen wurde noch getanzt, gefeiert oder gemütlich bei einem Bier geredet.
Vermutlich stand das ausrangierte Flugzeug schon seit Jahren am Rande des Flughafens von Ouagadougou. Jetzt wird es zerlegt.
Schon bei unserer ersten Tour durch die Stadt vor nun einem Jahr ist uns die alte Tristar-Maschine aufgefallen, die beim Place de la Paix auf dem Flughafengelände vor sich hingammelte. Irgendwie fügte sich das in der Trockenzeit dick mit Staub bedeckte Flugzeug prima in das Stadtbild ein. Es wirkte, als wäre dieser Flieger schon immer dort gewesen und würde auch immer dort bleiben. Warum auch nicht, er stört ja nicht? Aufmerksame Blog-Leser haben ihn auch schon auf dem Video zu “wie sieht Ouaga eigentlich aus?” gesehen.
Seit ein paar Wochen schrumpft die Maschine nun Stück um Stück. Jedes mal wenn man an ihr vorbei fährt, fehlt ein weiteres Teil. Es ist als würde man dem stählernen Koloss beim verwesen zusehen. Scheinbar hat man sich dazu entschieden, ihn zu demontieren. Schade eigentlich, denn der Place de la Paix wird ohne ihn nicht mehr der selbe sein .
Bereits vor einem knappen Monat berichteten wir in einer Kurzmeldung von der Elektrifizierung der Grundschule im Dorf Saya. Nun haben wir die Dokumentation zu dieser wichtigen Etappe des Projekts fertiggestellt. Wir wünschen viel Spass mit unserem Film und Bericht!
Während unserer Reise nach Saya Mitte Juni hatten wir natürlich auch wieder unsere Kamera dabei und haben fleissig gefilmt und Interviews geführt.
Das Ergebnis unserer Arbeit haben wir auch auf Youtube hochgeladen und kann hier angesehen werden:
Ausserdem haben wir eine kleine Diashow angelegt, mit Fotos von der Elektrifizierung:
August 6, 2009 um 14:33
verfasst von Nils Goldbeck
Heute ist genau ein Jahr vergangen, seit wir am 06. August 2008 etwa um drei Uhr nachts zusammen mit Lukas, dem ADAler von AMPO, am Flughafen Ouagadougou ankamen.
Diese 365 Tage kommen uns unendlich lang vor, wenn wir daran denken, wie viel wir hier in Burkina Faso erlebt haben und wie viele neue Freundschaften wir hier geschlossen haben. Wenn wir uns an die Unsicherheit erinnern, mit der wir in den ersten Wochen diese fremde Welt erkundeten, und wenn wir heute nun bemerken, wie selbstverständlich manche Dinge in unserem Alltag für uns geworden sind, die wir uns vor einem Jahr kaum hätten erträumen können, dann wird uns klar, wie stark wir uns selber verändert haben. Gleichzeitig haben wir aber auch das Gefühl, dass die Zeit dann doch recht schnell vorbei ging – so ist das eben, bei einem mit vielen spannenden Erlebnissen vollgepacktem Jahr.
Nun geht unser ADA-Jahr in Burkina dem Ende entgegen, unsere Flüge sind schon gebucht. Jan wird am 18. August abfliegen, Nils am 01. September. So müssen wir uns schweren Herzens schon Gedanken über den Abschied machen. Was wollen wir unbedingt noch tun, bevor wir Burkina verlassen? Mit wem müssen wir uns auf jeden Fall noch einmal zum Tee-trinken treffen? Was wollen wir als Souvenir mit nach Deutschland nehmen? Am 15. August wird unsere große Abschiedsparty stattfinden, hierfür muss auch noch einiges vorbereitet werden.
Lukas, Jan und Nils im Laufe des vergangenen Jahres: Bild 1: Beim Vorbereitungsseminar im Juli 2008, Bild 2: Auf der AMPO-Ausbildungsfarm im September 2008, Bild 3: Silvester 08-09, Bild 4: An Lukas Geburtstag im März 2009, Bild 5: Im Mai 2009
Am Freitag überraschte uns das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit einem Ausreisestopp für Freiwillige. Das Auswärtige Amt schätzt das Risiko für Deutsche im Ausland vor den Bundestagswahlen als erhöht ein, weshalb der Ausreisestopp eine ganze Reihe afrikanischer Länder wie Marokko und Ägypten betrifft und leider auch Burkina. Es handelt sich um ein generelles Risiko, nicht um eine Veränderung der Sicherheitslage speziell in Burkina Faso.
Wir nehmen die Warnungen sehr ernst. Leider können unsere beiden Nachfolger Marco und Stefan, die wir eigentlich am 5. August hier in Empfang genommen hätten, nun vorerst nicht ausreisen. Da sich die Warnung aber explizit auf die Bundestagswahlen beziehen, hoffen wir, dass ihre Ausreise im Anschluss an die Wahlen freigegeben wird. Wir beide werden bis zu unserer Ausreise in einigen Wochen in Ouagadougou bleiben und keine weiteren Reisen mehr unternehmen.
Wir sind mit der Situation natürlich alles andere als glücklich. Durch den Ausreisestop können wir Marco und Stefan nicht vor Ort einarbeiten und die Arbeit auf den Dörfern liegt bis auf weiteres auf Eis. Wir gehen nicht von einer konkreten Bedrohung aus, doch gebietet die Vernunft hier mit aller Vorsicht zu handeln.