Oktober 11, 2008 at 8:00 am
Verfasst von Jan Sonntag
Mit diesem Eintrag starten wir eine neue Serie: in regelmäßigen Abständen stellen wir ein Gericht vor, dass man in Ouagadougou typischerweise ist. Wir beginnen mit Café au lait à la Ouagalaise
Der Café au lait darf bei keinem Frühstück am Télécentre fehlen. Télecentres sind kleine Buden, an denen man neben Prapaid-Karten für Handys, vor allem etwas zu Essen und zu Trinken bekommt.
Hier das Télécentre unseres Vertrauens auf dem Weg ins Büro:
Für den zuckersüßen Café au lait wird gezuckerte Kondensmilch in ein Glas geträufelt, mit heißem Wasser aufgegosen und ein Löffel Schnellkaffepulver dazugegeben.
Dazu noch ein Baguette zum Eintunken. Sehr lecker! Und auch noch spottbillig: 100 F CFA (15 Cent) für den Café, 200 F CFA (30 Cent) für Café mit Baguette.
Oktober 9, 2008 at 6:43 pm
Verfasst von Jan Sonntag
Eine kleine Episode aus dem Alltag in Burkina: wie komme ich an Strom?
Die meisten Haushalte, die in Burkina über Strom verfügen zahlen diesen mit einem Prepaid-System, so ähnlich wie wir dies aus Deutschland von bestimmten Mobilfunkanbietern kennen. So auch wir. Am Haus befindet sich ein Stromzähler, der anzeigt wieviel Kilowattstunden noch zur Verfügung stehen.
Neigt sich der “Kontostand” dem Ende zu, oder hat dieses schon länger erreicht, heißt es auf zur SONABEL, dem Stromanbieter. Ansonsten sitzt man im Dunkeln. Ohne Licht, Kühlschrank, Computer oder Deckenventilator. Und weil das keinen Spaß macht, nimmt man das Übel in Kauf, sich auf der SONABEL in kilometerlange Schlangen einzureihen, um schließlich unter Angabe der Zählernummer seinen Strom für die nächste Zeit zu bezahlen. Mit der Quittung gehts dann auf nach Hause, um den 20-stelligen (!) Code in den Zähler einzugeben. Et voilà: Energie!
September 30, 2008 at 9:36 pm
Verfasst von Jan Sonntag
Letzten Donnerstag fuhren wir nach Goumsin, um dort das neu gebaute CSPS zu besuchen und die Elektrifizierung vorzubereiten. Hier einige Impresssionen unseres Besuchs.
Um nach Goumsin zu kommen, mieteten wir einen Pickup samt Fahrer.
Die Landschaft ist nach wie vor von sattem grün geprägt. Die Regenzeit sorgt aber auch für überflutete Strassen. Am Strassenrand begegnen wir immer wieder Fahrradfahrern, die schwere Kohlesäcke transportieren.
An der Krankenstation angekommen, machen wir uns gleich an die Arbeit: ein grober Grundriss aller zu elektrifizierenden Gebäude wird benötigt, um die Solaranlage anpassen zu können. Außerdem schießen wir Fotos von den Räumen, damit die Techniker die Situation besser abschätzen können. Schließlich warten wir darauf, mit den Verantwortlichen reden zu können, die gerade eine Versammlung mit der Dorfgemeinschaft abhalten.
Das Gespräch mit dem Chef des CSPS verlief sehr vielversprechend, sodass wir wohl bald nach Goumsin zurückkehren werden, um die Elektrifizierung durchzuführen.
September 16, 2008 at 2:31 pm
Verfasst von Nils Goldbeck
Am 28. und 29. August 2008 waren wir in Salogo, etwa 150 km östlich von Ouagadougou. In Salogo hat SEWA vor sechs Monaten zum ersten Mal eine Krankenstation mit einer Solaranlage ausgestattet und jetzt war der erste Nachbesuch des Projekts fällig.
Wir fanden die Solaranlage der Krankenstation noch in sehr gutem Zustand vor und bei den Interviews mit dem Personal und dem CoGes (eine Art Verwaltungsrat) erfuhren wir, dass sie auch intensiv genutzt wird - am häufigsten bei Geburten.
Später hatten wir dann noch die Gelegenheit, uns das Dorf etwas genauer anzuschauen. Als es dann aber anfing heftig zu regnen, setzten wir uns in die Dorfkneipe, wo es zwar etwas eng war, aber trotzdem eine super Stimmung herrschte.
Interessant waren auch mal wieder die Beobachtungen auf burkinischen Straßen: Eine Tankstelle, bei der das Benzin in ehemaligen Getränkeflaschen gelagert wird oder ein typisch burkinischer Allround-Transporter.
Unsere Eindrücke aus Salogo haben wir auch in einem kleinen Film festgehalten. Viel Spaß beim anschauen!
August 23, 2008 at 9:46 pm
Verfasst von Jan Sonntag
Vom 14.-16. August waren wir in Youba, einem kleinem Dorf im Norden nahe Ouahiguya, wo wir unsere erste Elektrifizierung miterleben durften.
Am Donnerstag war es so weit, wir - Hannes, Nils, Jan und Lukas (als Gast) - setzten uns zusammen mit den zwei Technikern von Microsow in einen Kleinbus, um nach Youba zu fahren, einem Dorf, dass etwa 250 Km nördlich von Ouaga liegt. Unsere erste Reise über Land führte uns uns vorbei an wunderschönen Landschaften, die dank der Regenzeit in saftigem Grün erstrahlten. Je weiter wir jedoch nach Norden kamen, umso mehr machte das Grün bereits dem Rot des Sandes Platz.
Als wir am späten Nachmittag in Youba eintrafen, begann es gerade in Strömen zu regnen. Trotzdem begannen die Techniker von Microsow sofort mit dem Verlegen der Kabel in der Maternité, der Geburtenstation.
Eine ländliche Krankenstation, ein so genanntes CSPS, besteht neben der Maternité in der Regel aus zwei weiteren Gebäuden: einer Station zur Versorgung von Kranken und Verletzten (Dispensaire), sowie einer Apotheke.
Die hygienischen Verhältnisse reichen jedoch in keinster Weise an europäische Krankenhäuser heran. Obwohl wir uns dessen natürlich bewusst waren, schockierte uns der erste Rundgang durch die Räumlichkeiten: strenger Geruch, Schmutz, verkommene Matratzen, undichtes Dach, Schimmel an den Wänden. Und bei wolkenverhangenem Himmel waren schon ab 16 Uhr die Lichtverhältnisse unzureichend. Wir haben sehr großen Respekt dafür, was die Hebamme und die Krankenpflegerin unter diesen Bedingungen lesiten.
Nachdem bereits am ersten Abend die Arbeiten an der Maternité abgeschlossen werden konnten, wurde am darauffolgenden Tag die zweite Solaranlage in der Dispensaire installiert - nun bei strahlendem Sonnenschein. Dabei unterstützen wir die Techniker bei kleinen Handgriffen und dokumentierten die Installation. Außerdem erklärtem wir dem Personal die Wartung der Anlage und machten einige Interviews, z.B. mit den Hebammen.
Als wir am Abend dann das vollendete Werk begutachten konnte, bot sich uns ein neues Bild der Krankenstation. Alle Räume des CSPS waren nun taghell erleuchtet, was die Versorgung der Kranken bei Nacht doch erhablich verbessern und vor allem Geburten erleichtern wird. Viele Einwohner des Dorfes kamen vorbei, um sich das neu beleuchtete CSPS anzusehen. Sowohl das Personal, als auch einige Patienten zeigten sich dankbar für unsere Hilfe.
Währed der Arbeiten am CSPS besuchte uns der Abgeordnete des burkinischen Parlaments Sidiki Belem, unter dessen Schirmherrschaft die Elektrifizierung stand. M. Belem organisierte uns auch die Unterbringung in der nahegelegenen Schule. Die Krankenpflegerin des CSPS versorgte uns sogar mit sehr leckeren Mahlzeiten.
Neben der eigentlichen Projektarbeit war es für uns vor allem sehr spannend, einen kleinen Einblick in das Leben auf einem burkinsichen Dorf zu bekommen. Die Dörfer und die Großstadt Ouagadougou sind zwei völlig verschiedene Welten. Besonders angenehm fanden wir es, wie freundlich und offen wir von den Menschen in Youba empfangen wurden. Sie schienen sich offensichtlich darüber zu freuen, dass sich jemand für ihren Alltag interessiert. Stolz zeigten sie uns ihr Dorf, ihre Felder und den Viehmarkt, der gerade stattfand. Für uns war es einfach sehr schön, sich ein wenig mit den Menschen unterhalten zu können und mehr über ihr Leben zu erfahren.
August 14, 2008 at 9:33 am
Verfasst von Nils Goldbeck
Ni zaabre!
Am Montag hatten wir unsere ersten Mooré-Stunden. Mooré ist eine der einheimischen Sprachen und wird vor allem in der Gegend um Ouagadougou gesprochen. Zwar kommt man mit hier mit Französisch sehr weit, allerdings ist es auch ein Zeichen des Interesses und des guten Willens, wenn man ein wenig Mooré spricht. Außerdem macht es schlicht und ergreifend Spaß.
Abel, unser Lehrer, hat hier Linguistik studiert und arbeitet außerdem als Volontär bei ICCV, eine Organisation, die einen Kindergarten, eine Schule und ein Waisenheim betreibt. Bis jetzt haben wir nur die verschiedenen Begrüßungen gelernt, was sich zwar wenig anhört, doch aber einiges ist, da man die Begrüßungen je nach dem Stand der Sonne anpasst. Wenn die Sonne zu sehen ist, sagt man für “Guten Tag” z.B. “Ni winga!” Wenn die Sonne allerdings nicht zu sehen ist, heißt es “Ni yibeogo!” Daraus ergibt sich dann jeweils ein unterschiedlicher Begrüßungsdialog.
Auch ist es sehr wichtig, auf die richtige Aussprache zu achten. Es gibt Wörter, die bei verschiedenen Betonungen völlig andere Bedeutungen haben. Das Problem ist, dass die verschiedenen Betonungen für unsere Ohren sehr sehr ähnlich klingen.
Unsere neuen Erkenntnisse können wir dann die nächsten Tage auf dem Markt anwenden, den wir heute das erste mal besucht haben. Dort stapeln sich die verschiedensten Obst-und Gemüsesorten, sowie rohes Fleisch und Fisch auf den Ständen, hinter denen die Marktfrauen sitzen. Die Stände sind entweder einfache Holzkonstruktionen oder einfach Decken, die auf dem Boden ausgebreitet werden. Das ganze wird von einer unglaublichen Menge an Fliegen umschwirrt. Auf dem Markt ist man als Weißer scheinbar wirklich eine Seltenheit, es wird einem ständig “Nassara”, Weißer, hinterhergerufen. Allerdings ist das überhaupt nicht böse oder geringschätzig gemeint, sondern einfach nur Ausdruck des Erstaunens der Kinder, die teilweise noch nie einen Weißen gesehen haben. Es ist uns übrigens auch schon öfters passiert, dass Kinder auf uns zu kamen, um uns die Hand zu geben. Bis jetzt ist all das für uns noch ganz lustig, wir sind jedoch gespannt, wie wir in einigen Monaten damit umgehen werden, ständig und überall aufzufallen.
August 8, 2008 at 4:57 pm
Verfasst von Nils Goldbeck
Nach einer langen Reise von insgesamt 22 Stunden sind wir in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gut in Ouaga angekommen. Nun beginnen also endlich die 13 Monate, auf die wir uns das letzte halbe Jahr vorbereitet haben.
Am 5.8. setzten wir uns morgens in den Zug um uns dann am Frankfurter Flughafen mit dem AMPO-Zivi Lukas zu treffen. Das Einchecken war entgegen unseren Befürchtungen auch mit großzügigen Handgepäck (3 Gitarren + 3 Rucksäcke mit je 10 kg) kein Problem.
Frankfurter Flughafen
Letzter Blick auf Deutschland
Von Frankfurt ging es weiter nach Casablanca, wo wir die 6 Stunden Aufenthalt mit spontanen Gitarren-Jam-Session überbrückten. Dabei machten wir Bekanntschaft mit einem netten Polizisten, der einfach gleich mitspielte.
Jam-Session am Flughafen Casablanca
In Ouaga wurden wir dann mitten in der Nacht von Souley (unserem Chef), Hannes (unserem Vorgänger) und Serge (einem Freund von Hannes) abgeholt. Auf der nächtlichen Fahrt zu unserem neuen Zuhause, dem Zivi-Haus, konnten wir gleich einen ersten Eindruck von Ouagadougou bekommen.
Am nächsten Tag machten wir uns dann daran, unser Stadtviertel Somgandé zu erkunden, die ersten Bekanntschaften zu machen und Mofas zu kaufen. Letztere werden für die nächsten 13 Monate unsere wichtigsten Transportmittel sein. Auf guten Rat von Hannes und mit Verhandlungshilfe von Yéral haben wir uns zwei P50 (Peugeot) gekauft.
Erkundung des Stadtviertels (v.l.n.r. Jan, Fiene, Hannes)
Fahrt durch unser Stadtviertel Somgande (Tasséré und Jan)
Beim Mofakaufen mit Yéral
Nils beim ersten Fahrversuch mit der P50
Wir melden uns bald mit weiteren Berichten - jetzt lassen wir uns erstmal mit von den unzähligen neuen Eindrücken überwältigen und genießen noch die gemeinsame Zeit mit Hannes, der uns ein bisschen in die für uns noch neue und unbekannte Welt Burkinas einführen wird.
August 1, 2008 at 6:45 pm
Verfasst von Hannes Mehrer
Vor einigen Tagen wurde hier im Nachbarviertel eine Schule eingeweiht, zu deren Eröffnungsfeier ich eingeladen war. Dabei habe ich von den Vorführungen, Danksagungen und Ähnlichem ein paar Aufnahmen machen. Seht selbst: