November 19, 2005 at 12:48 pm
Verfasst von richard
Es gibt gute Nachrichten in der modernen Entwicklungshilfe! Auf dem Weltgipfel der Informationsgesellschaft in Tunis wurde vor wenigen Tagen ein interessantes Projekt zur Überwindung der digitalen Kluft gegenüber den Entwicklungsländern vorgestellt.
Der Gründer des renomierten MIT Labs (Massachusetts Institute of Technology), Nicholas Negroponte, stellte letzten Mittwoch zusammen mit Kofi Annan einen Laptop für nur 100 $ (85 €) vor.
Um Kindern in Entwicklungsländern die Möglichkeit zu bieten, an der Informationsgesellschaft teilzuhaben ist extrem günstige Hard und Software nötig. Software gibt es heute meist günstig oder kostenlos, so wird der MIT Laptop ausschließlich mit openSource Software betrieben.
Eine Intel-Expertin entwickelte einen besonders günstigen Bildschirm für das auch sonst sparsame aber robuste Gerät. Es ist klein und ohne Laufwerke ausgestattet. Wenn die Kurbel an dem Laptop eine Minute lang gedreht wird, wird Strom für die jeweils nächsten 10 Minuten erzeugt.
Die Enwickler versprechen sich verbesserte Lerntechniken durch eigenständige Interaktion und Erkunden der modernen Technik. “Diese robusten, vielfältigen Maschinen werden es Kindern ermöglichen, aktiver zu lernen”, meint Kofi Annan bei der Vorstellung des Laptops in Tunis. Mithilfe eines eingebauten WLAN-Moduls sind auch Internet-Recherchen und Kommunikation möglich.
Käuflich wird er Laptop nicht sein, die Kosten von 100 $ pro Gerät werden von Regierungen und NGOs gestellt. Laut den Entwicklern wurden ingesamt bereits eine Millionen Geräte von China, Brasilien, Thailand und Ägypten bestellt. Die Produktione soll allerdings erst ab einer Bestellmenge von fünf bis sechs Millionen Stück beginnen. Man hofft also noch auf das Interesse von NGOs und weiteren Staaten.
Die New Economy zeigt Engagement
Die eigens für den Laptop gegründete Organisation OLPC (One Laptop per Child) ist unter anderem durch eine 2 Millionen $ starke Spenden von Google zustande gekommen, ingesamt betrug das Budget ganze 10 Millionen $.
Auch Microsoft hat auf dem Weltgipfel in der ägyptischen Hauptstadt ein Projekt zur Ausbildung von IT-Lehrkräften, das sogenannte UP (Unlimited Potential), vorgestellt. 200 solcher Lernzentren sollen demnach in Tunesien entstehen. Zusammen mit der UNESCO sollen weitere Ländern mit solchen Einrichtungen ausgestattet werden.
Kritik am Tagungsort
Am Rande gab es allerdings Kritik am Weltgipfel in Hinsicht auf den Tagungsort Tunis, da die Meinungsfreiheit in Tuniesen als durchaus noch ausbaufähig gilt und die Zensur gerade im Internet seit Langem schon heftige Kriktk erntet. Aufgrund von Kritik an der tunesischen Regierung seitens der Organisation Reporter ohne Grenzen wurde deren Leiter Robert Menard kurzerhand bei der Einreise gestoppt. Ziel des Informations-Gipfels war nicht zuletzt auch die Verhinderung von Zensur in autoritären Staaten. Ein weiteres Ziel war die Hälfte der Menschheit bis 2015 online zu bringen - leider bleibt es denn Teilnehmerstaaten selbst überlassen, wie sehr sie sich in dieser Frage engagieren.