Warum die Entwicklungshilfe „tot“ ist

Die in Sambia geborene Ökonomin Dambisa Moyo ist nicht die erste Person aus Afrika, die ein Ende der Entwicklungshilfe fordert. Auch wir denken so.
Seit Jahrzehnten pumpen westliche Regierungen und Organisationen Geld, Nahrungsmittel und Güter nach Afrika. Viel hat sich in den meisten Regionen trotzdessen nicht zum Besseren verändert. Aber warum? Sollten von dem Geld nicht Schulen gebaut und von den Nahrungsmitteln das Hungern beendet werden? Ist „spenden” nun also doch nicht gut?
Der Absicht ist sicher nicht falsch, nur wurde bisher das Konzept der Entwicklungshilfe von Regierungen und den meisten größeren Organisationen nicht weiter entwickelt – oder – viel besser gesagt, es hat sich verselbstständigt zu ökonomischen Operationen, die den Absendern der „Hilfe” mehr hilft, als den Empfängern.
Regierungen, die nicht in der Lage sind, ein Land zu verwalten und aufzubauen, wurden während der letzten Jahrhunderte in Europa meist durch Revolutionen oder von Nachbarländern beseitigt. So wurden Staaten im damaligen Ostblock vielmehr sanktioniert, als das so etwas wie Entwicklungshilfe betrieben wurde. Die Regierungen litten unter dem Druck seitens ihrer Bevölkerung und kamen im beispielhaften Fall von Ostdeutschland auch durch diesen zum Fall.
In Afrika dagegen erleben wir in vielen Ländern einen Herrschaftsstil, der kaum tragbar ist. Die Charts der korruptesten Länder werden von afrikanischen Ländern angeführt. Nur durch die Aufrechterhaltung minimalster Standards wie die Ernährung geht es weiter, auch wenn die Regierung sich mehr um den Kauf von Waffensystemen zur eigenen Machterhaltung kümmern. Das Problem ist nur, um die Aufrechterhaltung müssen sie sich selbst nicht kümmern. Die Bereitstellung von Zahlen zu Hungernden unter der eigenen Bevölkerung gleicht einer Bestellung – einer kostenlosen Bestellung im Westen. Und dort geht es weiter: statt ein Ziel zu suchen, orientieren sich die Organisationen am Bekämpfen von Symptomen und vermarkten diese medial etwa mit entsprechenden Bildern meist aufgeblähter Kinderbäuche. Selbstregulierung wie in der Werbeindustrie haben diese Art & Weise der Werbung zwar geächtet, doch sie verschleiert nur das Anliegen dieser Organisationen: Die Schaffung kontinuierlicher Geldströme zur Finanzierung gigantischer Apparate und zur Abwicklung großer Deals.
Was nun ist dann noch sinnvoll?
Wir können nicht leugnen, dass in Afrika vielerorts weiterhin von Instabilität, Hunger und Krankheiten geplagt wird. Die Entwicklung in vielen Bereichen liegt weit zurück, während westliche Länder ständig einen Gang zulegen müssen, um im globalen Markt weiter bestehen zu können.
Die meisten Staaten Afrikas haben hier kaum eine Chance, in den nächsten Jahrzehnten über die Rolle von Abnehmern billiger chinesischer Güter hinwegzukommen.
Sollen wir hier helfen? Doch wo?
Sicherlich kann man behaupten, die afrikanischen Länder sollen alles selbst machen. Sie werden ihre Entwicklung so durchleben, wie unsere Vorfahren es gemacht haben. Aber was ist dann mit dem globalen Markt? Können wir uns sicher sein, dass afrikanische Länder die Kraft von alleine aufbringen, um im Turbo an uns heranzukommen? Wie lange wird es dauern, und kann es Hunger und Krankheiten beseitigen? Oder werden diese eher einer der Gründe sein, warum sie es nie schaffen werden?
Ganz sicher können wir da nicht sein. Und deswegen ist es unsere Verantwortung, zu unterstützen. Allerings mit dem Ziel uns selbst überflüssig zu machen. Denn nur so werden wir die richtigen Maßnahmen ergreifen, um das Fundament zu legen, sodass die afrikanischen Länder ihr Profil finden und ihre Reichtümer in Wohlstand umsetzen. Und nur gebildete, verantwortungsvolle Afrikaner werden dazu in der Lage sein.











Joern Preuss sagt,
Mai 27, 2009 @ 1:50 pm
Sehr gelungener Blogeintrag, Gratulation.
Nicht nur afrikanische Persoenlichkeiten setzen sich fuer einen ‘Ende der Entwicklungshilfe’ ein. Auch Rufe aus Europa selbst werden immer lauten, die ein Umdenker der Entwicklungshilfepraktiken fordern. So gibt es auch ein groessere Initiative im Koelner Raum (Leider ist mir der Name entfallen!), welche mehr und mehr Fuersprecher findet.
Als ich letztes Jahr mit unserem project manager Solomon Appiah einen Termin in der Deuschten Botschaft in Accra wahrnahm, formulierte es ein Attache Botschafters sehr treffend und zitierte einen Artikel einer ghanaischen Zeitung: ‘Nobody can develop Ghana for us!’