Nigeria, ein vielfältiges Land
Es heißt, Nigeria sei ein vielfältiges Land: Erdgas, Kohle, Blei, Eisenerz und vor allem Erdöl warten auf Förderung. Doch wo in anderen Ländern dementsprechender Wohlstand herrscht, lebt die nigerianische Bevölkerung in überwiegend ärmlichen Zuständen.
Wie in vielen andern afrikanischen Staaten wurde durch die koloniale Grenzziehung ein enormer Schaden angerichtet. So ist auch der islamische Norden Nigerias dem christlichen Süden feindlich gesinnt, nicht zuletzt wegen der Ressourcen des Landes.
Über Joint Ventures kommen internationale Erdölkonzerne an das eigentlich im Besitz der staatlichen Eigner Nigerian National Petroleum Corporation (NNPC) befindlichen Rohstoffes. Für diese ist Nigeria ein guter Geschäftsort, gute Ölqualität und Preis-Unabhängigkeit machen Nigeria so attraktiver als die OPEC Länder im Nahen Osten.
Doch die Freude ist nicht ungetrübt: angesichts der anhaltenden Armut in Nigeria sieht ein großer Teil der Bevölkerung mit wachsendem Unmut das Kapital außer Landes fließen und die überlebenswichtige Umwelt in Zerstörung begriffen. Schon seit Jahren fordert sie ihr Recht auf eine Beteiligung an den Schätzen des Landes ein.
Immer öfter greifen sogenannte Rebellen mit gewalttätigen Mitteln nach diesem Recht. So wurde erst kürzlich eine Ölplattform des größten ausländischen Ölkonzerns Shell angegriffen, wobei 22 Menschen ihr Leben verloren. Es werden Pipelines in Brand gesetzt und ausländische Arbeiter entführt, Angst und Frustation werden geschürt. Gerade vor den Präsidentschaftswahlen 2007 werden Gruppen wie die „Bewegung zur Emanzipation des Nigerdeltas“ verstärkt aktiv. Sie wollen klarstellen, dass die nigerianische Führung den Ölexport einstellen muss.
Dabei hatte Shell erst Anfang der 90er Jahre einen schweren Imageschaden erlitten. Es geschah bei der Ölfördernung im Nigerdelta, wo der Stamm der Ogoni mehr Beteiligung an den Förderungen und einen Stopp der Zerstörung der Umwelt bei der Regierung einforderte. Als der Streit in gewalttätige Auseinandersetzungen eskalierte wurde der Führer ogonischen Widerstandsbewegung, Ken Sawo-Wiwa, sowie einige seiner Mitstreiter, von der Regierung festgenommen und hingerichtet. Shell wurde zu dieser Zeit für die Unruhen verantwortlich gemacht und setzt sich seit dieser Zeit für einen eher versöhnlichen Kurs mit der ansässigen Bevölkerung ein.
Doch ändert das prinzipiell nichts an der Armut und Chancenlosigkeit. Langfristig gesehen kann nur eine bessere Politik der nigerianischen Regierung für eine bessere Verteilung sorgen und so den Boden für Unruhen entziehen.
weiterführende Informationen
> weltpolitik.net – Analysen Nigeria










