Hungersnot in Niger und Nachbarländern findet zu wenig Beachtung
Noch im August wiesen unsere Medien auf die Folgen einer Heuschreckenplage vom vorherigen Jahr in Niger hin. Die UNO forderte die Regierungen der Industrieländer auf, 81 Mio. USD Soforthilfe bereitzustellen um eine Katastrophe zu verhindern. Leider konnte diese Forderung nicht ausreichend Beachtung finden.
Dabei wurde schon im letzten Jahr vor einem immer größer werdenden Hunger in Niger gewarnt. („Schwerste Heuschreckenplage seit 15 Jahren“) Schon vor der Heuschreckenplage wiesen Experten darauf hin, dass sich durch das Klima im Sommer 2005 eine große Gefahr für die Ernte anbahnt. Die Brutstätten der Tiere waren bekannt und die Geberländer wurden um Pestizide und Flugzeuge gebeten – auch hier ohne Reaktion. Im Mai 2005 rief die UNO dann zu Spenden auf um eine Ausweitung der Katastrophe zu verhindern, was bei der Weltöffentlichkeit erneut nur wenig Beachtung fand.
So konnte sich eine Katastrophe von unglaublichen Ausmaßen entwickeln. Laut der UNO sind 2,5 Menschen in Niger, ein Viertel der Gesamtbevölkerung, vom Hungertod bedroht. Die Heuschrecken fraßen die Ernte in weiten Teilen des Landes auf und machten natürlich auch keinen Stop an den Grenzen zu Nachbarländern wie Mali, Burkina Faso und Mauretanien. Die kirchliche Organisation MISEREOR schätzt daher die Gesamtzahl der betroffenen Menschen in der Region auf 3,5 Millionen.
Während die Medien einen überproportionalen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit einer vergleichsweise kleinen Katastrophe in den USA(Hurrikansturm „Rita“ bedroht die Südküste der USA) widmen, schwindet den Regierungen der sog. Geberländer das Interesse an wichtigen Transfers zu Verhinderung millionenfachen Sterbens. Von der Öffentlichkeit ganz zu schweigen, welche von der Katastrophe in Niger nichts zu sehen bekommt und Spenden somit weitestgehend einstellt.
Darüber hinaus spielt die amerikanische Staats-Hilfsorganisation USAID die Katastrophe herunter und spricht von „weniger als einer Millionen Hungernden“ , die Zahlen der UNO kritisiert sie als übertrieben.
Die nächste Hungerskatastrophe: Malawi
Doch in Niger und seinen Nachbarländern grassiert noch weiter der Hunger, während sich in dem kleinen Staat Malawi schon das nächste Desaster anbahnt.
Wieder fordert die UNO die Geberländer zu sofortiger Nothilfe und nötige Reaktionen bleiben aus. Der Chef-Koordinator für humanitäre Hilfe bei der UNO, Jan Egeland, forderte in einer Aktion die Nationen am persischen Golf zu verstärkten Spenden auf, da sie von den momentan hohen Öl-Preisen stark profitieren.
Experten sprechen in Malawi, immerhin einem der zehn ärmsten Länder der Welt, von einer akuten Bedrohung für 4,2 Millionen Menschen. Die Ursachen für die Hungersnot werden in den beiden großen Dürren 2001/02 sowie großen Überschwemmungen in den letzten Jahren gesehen. Auch hier war die Katastrophe lange absehbar.
Die “Schuld” an diesem Hunger liegt aber keineswegs nur an den natürlichen Faktoren wie Trockenheit, Heuschrecken oder Überschwemmungen. Neben der Ignoranz der Industrieländer werden auch die Regierungen der betroffenen Länder selbst heftig kritisiert. Unter anderem wirft man den meisten Regierungen schwere Misswirtschaft, Korruption und zu spätes Handeln vor. Das größte Problem stellt aber nach wie vor die ständige Armut der afrikanischen Länder dar, die sich bei Naturkatastrophen selbst nicht helfen können.
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