Interessantes Interview auf Spiegel Online mit Harald Welzer von der Universität Witten/Herdecke im Bereich Sozialpsychologie. Seiner Ansicht nach werden durch Naturkatastrophen verursachte Flüchtlingsströme die Anzahl von aktuellen Armutsflüchtlingen aus Afrika Richtung Südeuropa weit übertreffen. Die Antwort auf die Folgen kann man bereits jetzt in Spanien beobachten: Verstärkung der Überwachung und das immer organisierterte Abschieben.
Der Konflikt in Darfur/Sudan ist seiner Sicht nach einer der ersten Konflikte, die aus der Klimaveränderung resultieren.
Welzer: [...] Dort stehen sich nicht mehr zwei klar definierte Armeen gegenüber, sondern es gibt zahlreiche Kriegsherren, die primär gegen die Zivilbevölkerung kämpfen und dabei ökonomische Interessen verfolgen. Sie sind Gewaltunternehmer, die plündern, mit Waffen und Drogen handeln, Lösegelder erpressen und sich nicht zuletzt einen wesentlichen Anteil an den Hilfsgeldern sichern, die in die Region fließen. Nach einer Studie von Oxfam International haben die Kriege in Afrika zwischen 1990 und 2005 rund 211 Milliarden Euro gekostet. Das entspricht etwa der in diesem Zeitraum geflossenen Entwicklungshilfe. In Afrika sind also regelrechte Gewaltökonomien entstanden.
Im weiteren Verlauf des Gesprächs schweift Herr Welzer ein wenig ab in die Wahrnehmung sich anbahnender Veränderungen:
Welzer: [...] Unsere Selbstwahrnehmung ist so strukturiert, dass wir nicht wirklich an die Möglichkeit extremer Veränderungen glauben. Abstrakt wissen wir zwar, dass wir vor einem gravierenden Problem stehen, aber dieses Wissen berührt nicht ernsthaft unser Lebensgefühl.
Frage: Warum nicht?
Welzer: Weil es immer noch Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt; weil die U-Bahnen fahren und die Zeitung jeden Morgen im Briefkasten steckt. Die sozialen Routinen bleiben. Und die tatsächlichen Auffälligkeiten denken wir uns weg.
Februar 18, 2009 um 3:23 pm
verfasst von Jörn Preuß
Hallo liebe Freunde von africahelp,
lange ist es her, dass ich von African Information Movement und meinen/unseren Aktivitäten in Komenda/Ghana berichtet habe, Entschuldigung dafuer. Ich denke das Jahr 2009 wird AIM. und vor allem Komenda ein gutes Stück vorwaerts bringen. Beim letzten Blockeintrag habe ich von der Idee berichtet, ein Non-Profit-Internetcafe und Businesscenter zu eröffnen (Komenda Beach Cafe). Aus der Idee ist natürlich mehr geworden als ein reines Internetcafe und Businesscenter. Jeden morgen von 8.00-10.00h möchten wir unsere Türen fuer die 5 Junior High Schools (JHS) in Komenda & Dutch Komenda öffnen um den Computerunterricht vor Ort aktiv zu unterstützen.
Computerunterricht ist Pflicht in Ghana und steht auch so im Lehrplan der staatlichen Schulen; was im Lehrplan nicht berücksichtigt ist, das dazu ein Computerlabor und entsprechend ausgebildete Lehrer zur Verfügung stehen müssen. Beides ist in Komenda nicht gegeben, nicht eine einzige JHS in Komenda hat entsprechendes Equipment zur Verfuegung. Hinzu kommt noch, das viele der Lehrer die Computerunterricht geben, den Umgang mit dem PC selbst nicht erlernt haben. In der Praxis bedeutet das für die meisten Schüler staatlicher Schulen ein rein theoretischer Unterricht. Hier möchte ich gerne ein liebstes Zitat von Konfuzius einbringen:
Erzaehle es mir und ich vergesse es;
Zeige es mir und ich erinnere mich;
Lass es mich tuen und ich vergesse es nie.
In Anlehnung an unser übergeordnetes Ziel, die Etablierung eines computerunterstützten Bildungszentrums in Komenda, werden wir auch im KBC Blockunterricht zu folgenden Themen anbieten: Office Anwendungen wie Word, PowerPoint, Excel und Internet, Bewerbungstraining, Betriebswirtschaftslehre, Projektmanagement, Buchführung und Tourismusmanagement.
Fuer die Umsetzung des Projekts brauchen wir natürlich Startkapital, und darum habe ich mich in den letzten 8 Wochen intensiv bemüht. Bis heute sind 2 Bewerbungen an potentielle Unterstützer gestellt, weitere 2 sind in Arbeit. Bei den bereits gestellten Bewerbungen handelt es sich einmal um ein Selbsthilfeprogram der US Botschaft in Accra und zum anderen um einen offenen, privat getragen Fond fuer Westafrika, der sich u.a.explizit fuer den Zugang zu Informationstechnologie und den sinnvollen Umgang mit dem PC einsetzt. Die Bewerbungen an die Weltbank und einen Fond aus Kanada werden jetzt in kurzen Zeitabständen von etwa 3 Wochen gestellt um unsere Chancen deutlich zu erhöhen. Wir alle hier in Komenda sind zuversichtlich, im Jahr 2009 das KBC in Komenda eröffnen zu koennen.
Soviel heute zum aktuellen Stand des Komenda Beach Café’s, demnächt mehr über andere Projekte, an denen ich teilhabe.
Februar 11, 2009 um 3:31 pm
verfasst von Jörn Preuß
Nun sind schon bald 4 Monate um und es ist viel passiert bei AIM. und speziell auch bei meinem Musikprojekt. Die wöchentlichen Treffen zum Singen jeden Freitag im Komendayouthclub laufen sehr gut. Seither kommen auch mehr Jugendliche zum Culture-Treffen. Die Gesangsgruppe starte ich jedes Mal mit einem kleinen Warm-Up. Wir dehnen und lockern unsere Körper und machen verschiedene Sprach und Stimmübungen, um das Spektrum der Stimm-Höhen und Tiefen zu erweitern. Anschlie?end beginnt das Singen. Die Jugendlichen bestimmen mit, was sie an jedem Tag singen möchten.
Die Jugendlichen werden von Woche zu Woche besser, man merkt, dass sie die verschiedenen Songs schon verinnerlicht haben, wenn sie laut singend die Gruppe verlassen. Inzwischen haben wir auch schon einen Kanon und mehrere zweistimmige Lieder erprobt. Die Teilnehmerzahl variiert wöchentlich von etwa 10 – 15 Jugendlichen. Es gab auch schon ein Einzeltreffen mit zwei besonders engagierten Mitgliedern, welche einen Solopart einstudieren durften. Fast alle Stücke begleite ich mit der Gitarre. Bei einigen Treffen haben die Jugendlichen auch improvisiert und zwei Trommeln miteingebracht.
Seit Dienstag findet das selbe Musikprogramm nun auch in Ayensudo in unserem neuen AIM. Jugendclub statt. Zum ersten Treffen erschienen fast 30 Jugendliche. Ich habe ihnen ausführlich von den Zielen und Ideen des Projektes berichtet. Michael, der Leader des Youthclubs, hat es für sie auf Fante übersetzt, da das Englisch der Kidz leider sehr schlecht ist. Generell ist mir hier in Ghana oft aufgefallen, dass die Kinder fast alle Fragen mit “yes” beantworten, obwohl sie die Frage gar nicht verstanden haben. Daher sollte man alles dreimal im Schneckentempo sagen, um sicher zu gehen, dass auch etwas angekommen ist.
Da ich mehrmals die Woche von Ghanaern höre, dass sie unbedingt nach Deutschland bzw. Europa in ihre “Traumwelt” wollen, habe ich den Jugendlichen gleich erklärt, dass ich diesen Satz nicht einmal hören will, da sie genauso der Welt zeigen können, was sie drauf haben und das Ghana genauso schön, wenn nicht sogar tausendmal schöner als Deutschland. Musikalisch und Tanztechnisch sind die meisten afrikanischen Kinder den Deutschen voraus, dass ist doch schon mal ein großes Ding!
Es wurde viel gelacht, die Stimmung ist gut und ich bin sehr zuversichtlich für die Zukunft.
Eure Milena
AIM. – weltwärts Volontärin
PS: Auf Bild 1 ist der Komenda Jugendclub beim Musik-workshop mit Milena zu sehen. Auf den Bildern 2-5 sehen wir den Ayensudo Jugendclub bei einer Theaterperformance.
Februar 11, 2009 um 1:35 pm
verfasst von Jörn Preuß
Liebe Bloggemeinde,
nach langer Zeit melde auch ich mich wieder zu Wort. Es gab viele Nachfragen nach einem Bericht des Project Directors – dem möchte ich nun nachkommen, und einem groben Gesamtüberblick über die Situation von AIM. in Ghana schildern.
Wie sicherlich schon bemerkt wurde, gibt es mittlerweile vier deutsche Praktikanten in Komenda, namentlich Janna, Milena, Tim und Franz. Die ersten Drei haben ihren Weg über das mittlerweile schon ein Jahr alte BMZ-Programm ‘Weltwärts’ zu AIM. gefunden, und bleiben 6 bzw 12 Monate in Komenda. Franz hingegen ist ein Sozialmanagementstudent und absolviert sein Praxissemester im Ausland bei AIM., ebenfalls für 6 Monate.
Jeder verfolgt als Hauptaufgabe sein eigenes Projekt für AIM., ausgerichtet nach den allgemeinen Zielen der Organisation, dem Bedarf in der Gemeinde und den individuellen Fähigkeiten und Interessen der Volontäre. So ist Janna für die inhaltliche und künstlerische Gestaltung eines neu zu gründenen Jugendmagazin des AIM. Jugendclubs zuständig, wobei sie sich auch um finanzielle Aspekte kümmert. Milena widmet sich der Musik und organisiert Gesangsworkshops und das Lernen von Instrumenten, wobei am Ende eine komplette CD aufgenommen wird, partnerschaftlich mit der AIM. Jugend in Ghana und in Deutschland. Tim plant gemeinsam mit zwei weiteren NGOs ein Umwelt- und Toiletenprojekt, mit dem die Strände in Komenda, Elmina und Cape Coast gesäubert werden sollen und damit die gesundheitliche Situation der Bevölkerung verbessert wird. Franz Hauptaufgabe ist die Finanzierung des einzurichtenden Komenda Beach Cafe, ein Internet Cafe, welches gleichzeitig ein Business sowie ein Community Learning Centre ist. Schüler, Jugendliche, Lehrer und alle Interessierten können hier kostenlos bis kostengünstig Computer und Business Unterricht bekommen.
Neben den Volontären gibt es mittlereile auch mehr ghanaische Mitarbeiter, die größtenteils ebenso ehrenamtlich arbeiten. In den letzten Monaten neu ins Team gestossen sind: David als Projektassistent, Francis als Jugendclubleiter in Komenda, Michael als Jugendclubleiter in Ayensudo, Cosmos als IT-Spezialist, Godwin als Sprachlehrer und Kojo Okyere als Projektkoordinator. Auch die altbewährten Gesichter sind weiterhin dabei: Kojo Mbir als Vereinsvorsitzender, Solomon als Projektmanager, Charles as Financial Controller, Ben als Bauexperte, Theo als Jugendberater, Ekow als Publicity Manager und Mr. Awortwe als Rechtberater.
Auf unserer Website www.aim-ev.org ist von jedem Mitarbeiter eine kurze Beschreibung sowie ein Bild zu finden.