Januar 24, 2009 um 8:41 pm
verfasst von Nils Goldbeck
In den Jahren 2004 und 2005 hat SEWA sieben Schulen im Osten Burkina Fasos elektrifiziert. Um diese Schulen zu besuchen und an einer weiteren Schule einen Vorbesuch durchzuführen, machten wir uns Anfang Januar mit unserem Mitarbeiter Yéral auf eine Reise.

Der Schuldirektor von Yagance bei seiner Rede
Unsere Reise begann am ersten Tag mit dem Vorbesuch der Grundschule von Yagance. Yagance ist das Heimatdorf von Inossa Guene, der mit Ilse Rüggenmann aus Ulm verheiratet ist und nun in Deutschland lebt. Als die beiden von dem SEWA-Schulen-Programm hörten, wollten sie sich dafür zu engagieren, dass auch die Schule in Yagance von einer Solaranlage profitieren kann. Für diese Projekt haben die beiden bereits mehrere Partner gefunden.

Unterzeichnung des "Fiche d'Engagement"
Die Grundschule Pfuhl hat z.B. eine Spendenaktion organisiert, bei der die Schüler mit einer Supermarktkette eine Nikolauswette machten. Und da tatsächlich am Nikolaustag mehr als 50 verkleidete Schüler in den Supermarkt kamen, gewann die Schule die Wette und der Supermarkt spendete 500 Euro für das Projekt. Mit weiteren Aktionen und dank großzügiger Spender ist inzwischen schon mehr als die Hälfte der Finanzierung gesichert!
Ilse und Inossa waren Anfang Januar in Burkina und so trafen wir uns mit ihnen in Yagance, um der Schule das Projekt vorzustellen und ihnen zu erklären, dass auch von den Lehrern und Elternvertretern ein Engagement vor allem bei der Instandhaltung und Wartung der Solaranlage gefordert wird.
Schon zwei Kilometer vor Yagance wurden wir von einer Gruppe Dorfbewohnern herzlichst begrüßt und dann bis ins Dorf von einer Kolonne von Fahrrädern und Mofas begleitet. Im Dorf angekommen fanden wir uns umringt von dutzenden Schulkindern, die alle im Chor “Bonne arrivé, bonne arrivé!” riefen. Einen solchen Empfang hatten wir bisher in noch keiner Schule erlebt! Das ganze war uns fast ein bisschen viel des guten und ein wenig unheimlich…

Gruppenfoto beim Vorbesuch von Yagance
Nach einer Besichtigung der gerade erst neu gebauten Schule begann eine offizielle Zeremonie, bei der zunächst eine Schülerin einen Begrüßungstext vorlas und der Direktor der Schule eine Rede hielt. Dann stellte Yéral in einer kurzen Rede unser Vorhaben in groben Zügen vor und anschließend besprachen wir das Projekt genauer im kleineren Kreise mit dem Direktor und den Elternvertretern. Dabei war insbesondere wichtig, dass die Schulgemeinschaft die Verantwortung für die teure Solaranlage übernehmen muss. Die Verantwortlichen hatten noch einige Fragen bezüglich der Sicherheit der Installation, z.B. wie die Paneele auf dem Dach befestigt würden, schließlich waren sie aber einverstanden und wir hielten ihre Verpflichtungen in einer schriftlichen Vereinbarung fest.

Werbung für Solaranlagen in Fada
Nach diesem sehr erfolgreichen Vorbesuch in Yagance fuhren wir noch am selben Tag weiter nach Fada N’Gourma, der größten Stadt im Osten Burkinas. Hier lebt die Familie unseres Chefs Souley, bei der wir dann auch Unterkunft fanden. Fada diente uns in den folgenden Tagen als “Basislalger”, von dort aus unternahmen wir unsere Ausflüge zu den Schulen.

In Fada fanden wir auch dieses Fischgeschäft mit Näherei. Oder ist es eine Näherei für Fische?
Die Ergebnisse der Schulenbesuche waren äußerst unterschiedlich. Wir fanden leider sogar eine Schule vor, bei der von der ursprünglich von uns installierten Anlage so gut wie nichts mehr übrig war. Ein Dorftechniker hatte die Energiesparlampen gegen Neonröhren ausgetauscht, den Laderegler überbrückt und nun war die Batterie kaputt. Hier merkten wir deutlich, dass die Sensibilisierungsarbeit, die SEWA vor fünf Jahren geleistet hat, noch nicht sehr erfolgreich war. So wurde damals z.B. das Engagement der Schulgemeinschaft noch nicht schriftlch vereinbart und es waren auch noch keine regelmäßigen Nachbesuche geplant. In dieser Hinsicht hat sich das SEWA-Schulen-Programm auf jeden Fall sehr stark weiterentwickelt.

Ein Treffen mit den Verantwortlichen einer Schule
Bei den meisten Schulen funktionierten die Solaranlagen allerdings noch recht gut. Ein paar kaputte Energiesparlampen fanden wir vor und bei einigen Schulen zeigten die Batterien erste Anzeichen von Altersschwäche, was nach fünf Jahren ganz normal ist. Wir bereiteten also die Verantwortlichen in den Schulen darauf vor, dass sie bald eine neue Batterie kaufen müssen. Eine solche Investition von umgerechnet ca. 120 Euro ist für die allermeisten Schulen hier nicht leicht zu finanzieren und muss längerfristig geplant werden. Umso erfreuter waren wir, dass an einer Schule die Elternvertreter nach kurzer Beratung auf uns zukamen und uns baten, sie doch beim Kauf einer neuen Batterie zu begleiten, damit sie auch die richtige Batterie fänden.

Bei einem technischen Problem ließen wir uns per Telefon von den Technikern in Ouaga beraten. Empfang hatte man jedoch nur, wenn man auf einen Termitenhügel stieg und in die richtige Richtung schaute.
Dass die Schule nun selber die Finanzierung für eine neue Batterie aufbrachte, zeigte uns, wie sehr die Schule das nächtliche Licht wertschätzt und ist natürlich eine super Bestätigung für den Erfolg des Projekts.
Am letzten Tag unserer Reise waren wir mit unserem geplanten Programm schon mittags fertig und entschlossen uns daher kurzfristig noch der Anfang 2008 elektrifizierten Krankenstation Salogo einen Besuch abzustatten. Die Anlage war noch in technisch einwandfreiem Zustand. Den letzten Besuch der Schule hatten wir im August noch zusammen mit unserem Vorgänger Hannes gemacht. Damals hatte die Krankenstation noch keine Leiter und konnte deshalb die Solarpaneele nicht vom Staub befreien.

Der Krankenwagen in Salogo: Ein Motorrad, an das hinten eine Ladefläche und zwei Räder angebaut wurden. Sogar mit Blaulicht uns Sirene!
Inzwischen hatten einige engagierte Dorfbewohner eine Leiter gebaut und nun wird das Panel regelmäßig gereinigt. Außerdem hat die Krankenstation seit neuestem einen eigenen Krankenwagen, den uns der Präsident des Verwaltungskomitees stolz vorführte. Der Zugang zu einer Gesundheitsversorgung für die Menschen in der Umgebung von Salogo wurde so noch einmal erheblich verbessert.
Als wir auf der Rückfahrt nach Ouaga an einigen für burkinische Verhältnisse sehr, sehr hohen Hügeln vorbei fuhren, packte uns noch die Kletterlust und wir fragten unseren burkinischen Kollegen Yéral, ob er 10 Minuten auf uns warten könnte und wir auf einen der Hügel hochklettern könnten. Wir machten uns an den Aufstieg, doch der war gegen Ende dann länger als gedacht.

Jan beim erklimmen der Felsen
Wir schlugen uns durch knochentrockenes Gebüsch, wirbelten dabei so viel Staub auf, dass wir bald von einer dicken Staubschicht bedeckt waren und die letzen Meter kletterten wir dann fast senkrechte Felswände hinauf. Oben angekommen, wurden wir schließlich mit einem wunderschönen Ausblick belohnt, der uns den anstrengenden Aufstieg sofort wieder vergessen ließ.
Wie so oft war der Abstieg noch schwieriger als der Aufstieg und bis wir wieder beim Auto waren, war dann eine volle Stunde vergangen. Zurück in Ouaga luden wir Yéral und den Chauffeur, die ja während unserer Klettertour in der Hitze lange auf uns gewartet hatten, als Entschädigung auf ein kühles Bier ein und fanden so einen runden Abschluss für unsere Reise.
