November 30, 2007 at 11:28 pm
Verfasst von Hannes Mehrer
Im Karité-Projekt arbeiten wir eng mit einer Frauenorganisation Namens RIMTEREB-SOM zusammen. Diese benutzt zur Herstellung der Karité-Butter einen sogenannten Papillon. Hier werden Sonnenstrahlen gebündelt, um die Butter zu erhitzen. Herkömmlicherweise wird mit dem kostbaren Gut Holz geheizt.
Letztes Wochenende hatten wir nun die Möglichkeit auch anderen Karité-Butter produzierenden Frauenorgansiationen diesen Kocher vorszutellen.
Durch eine Freundin auf Mooré übersetzt, konnten wir den Teilnehmerinnen die Vorteile gegenüber der Produktion mit Holz zeigen. Diese hatten nicht nur Lust, den Kocher zur Butterproduktion zu nutzen, sondern ihn darüber hinaus noch mittags zum Kochen zu verwenden.
Die Präsentation war also ein voller Erfolg, bei dem wir aussichtsreiche Kontakte knüpfen konnten. Hinzu kommt, dass wir den Frauen eine Möglichkeit zeigten, der Desertifikation des Landes entgegenzuwirken.
November 21, 2007 at 3:43 pm
Verfasst von Markus Maassen
Am letzten Dienstag war es soweit: Unsere nächste Nachbesuchsreise stand an und auf unserem Plan standen nicht etwa 2 oder 3 Schulen, nein, wir hatten an diesem Tag 5 Schulen im Programm.
Also gings morgens um 7.00 Uhr vom Büro los in Richtung Süd-Westen, nach Goumsin…
Nach 2stündiger Fahrt erreichen wir Goumsin und besichtigen die musterverdächtige Installation. Keine Mängel durch Fehlwartung oder Vernachlässigung der Anlage,die Anlage läuft auch nach vier Jahren einwandfrei und wird zudem täglich von unmengen an Schülern genutzt. Die Batterie wird langsam schwächer, was jedoch bei dem Alter der Batterie völlig normal ist.
Nach unserer obligatorischen Sensibilsierung der Anwesenden, arbeiten wir mit dem Direktor und den Lehrern unseren Fragebogen zur Nutzung der Anlage durch.
Nun geht es weiter zur zweiten Schule: Tampouy. Dort wurde die Batterie nicht regelmäßig genug gewartet, nun ist diese eventuell defekt. Wir erklären daraufhin dem neuen Direktor die Wartungsaufgaben der solaren Installation.
Direkt geht es weiter zur nächsten Schule: Sigdin. Hier ist die Anlage seit längerer Zeit defekt. Wir sprechen mit dem Direktor der Schule, wie dem Präsidenten der APE (Elternvertretung). Wir hinterlassen einen Kostenvoranschlag für die Reparatur, da die Elternvertretung für die Reparaturkosten aufkommen muss.
…und schon gings in die nächste Schule: Kienfangué.
Hier war die Schule seit einigen Monaten im Umbau, der Unterricht findet nun verteilt in verschiedenen Häusern im Dorf statt.
Und zum Schluss gings noch zur fünften Schule an diesem Tag, nämlich Bassem Yam.
Dort passten wir noch gerade den Direktor ab und konnten somit noch einige wichtige Details mit ihm klären.
Daraufhin ging es in der Abenddämerung zurück nach Ouaga.
Und wir hatten es geschafft: 5 Schulen in 12 Stunden - ein neuer Rekord
November 21, 2007 at 2:48 am
Verfasst von Jörn Preuß
Zwischenfazit
Der November nimmt seinen Lauf, in Deutschland fällt der erste Schnee und in Ghana brennt weiter die Sonne auf Komenda. Ein Wetter um am Strand unter Palmen zu liegen und zwischen kalten Getränken und Eis mit leckeren Früchten sein Dasein zu genießen.
Doch zu viel gibt es zu tun und die Zeit drängt. Die Einweihung des Jugendclubs muss vorbereitet werden, es gilt weiter Geld fürs Projekt zu beschaffen, die Workshops finden bereits täglich statt und in unserem AIM. Büro ist immer etwas zu tun.
Nachdem ich in meinem letzten Bericht freudig über den Schritt nach vorne mit Dupaul und seinem Versprechen auf Unterstützung berichtet habe, kommt nun der unerfreuliche Schritt zurück. Ein Treffen mit Dupaul war angesetzt, um Details zu klären. Solomon, unser Projektmanager nahm sich den ganzen Tag frei und wir fuhren nach Takoradi. Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt waren wir an den Dupaul Büros.
Wir warteten. 30 Minuten – 60 Minuten – 90 Minuten. Wir versuchten Mr. Awortwi anzurufen, versuchten es alle fünf Minuten (hier zeugt das von Ernsthaftigkeit!). Nach zwei Stunden bekamen wir ihn endlich ans Telefon. Er sandte und ins innere Takoradis, wollte uns dort treffen. Also ging es mit dem nächsten Taxi zurück in die Innenstadt. Wir suchten uns ein Cafee und weiter ging es mit warten. Wir warteten 30 Minuten – 60 Minuten – 90 Minuten. Wir versuchten ihn anzurufen, versuchten es wieder und wieder. Nach drei Stunden gingen wir zu Solomons Freundin in Takoradi. Ich wartete bis das letzte Trotro nach Komenda fuhr in der Hoffnung ihn noch zu erreichen aber die Nachricht in der Stadt auf ihn zu warten, war bis heute das letzte was wir von ihm gehört haben.
Wieso verschwindet Mr. Awortwi wenn es ernst wird plötzlich von der Bildfläche? Hätte ich sein Versprechen nicht mit eigenen Ohren gehört, ich würde es nicht glauben. Gelder in Ghana zu beschaffen ist nicht einfach. Das vorgesehene Projektgeld neigt sich dem Ende zu, Bemühungen sind da doch das Ergebnis ist nicht zufrieden stellend. Von der einen Seite hört man, Mr. Awortwi wäre in der Ashanti Region. Warum erzählt er uns dann wir sollen nach Takoradi fahren?
Nachdem wir dank Internet die Telefonnummer des Dupaul Büros angerufen haben, heißt es dort von seit her: er kommt morgen wieder! Wann ist morgen? Solomon meint, Mr. Awortwi ist sowohl ein sehr beschäftigter, als auch ein ernsthafter Mann, der nicht nur so einfach mal was verspricht. Das ist jetzt zwei Wochen her. Was sollen wir tun? Reich an Erfahrungen reicht auf Dauer nicht als Ergebnis, um eine Schule auf die Beine zu stellen.
Ein Blick auf den Jugendclub. Andi aus dem Social Office in Elmina folgte meiner Einladung, bei den AIM. Jugendlichen eine Präsentation über die Nation Health Insurance zu halten. Ein wichtiges Thema hier, welchem durch fehlendes Wissen von vielen nicht ausreichend Beachtung geschenkt wird. Meine große Sorge, dass entweder zu wenig Jugendliche oder alle zu spät eintreffen, wurde nicht bestätigt. Etwa 30 AIM. Youth Club Mitgliedern lauschten einem lebendigen Vortrag von Andi. Die anschließenden, teils sehr intelligenten Fragen mussten bei einbrechender Dunkelheit abgebrochen werden. Ein sehr positiver Schritt nach vorne.
Ihr wartet auf den Rückschritt? Ich würde das folgende lieber als Ghanas Realität bezeichnen. Die Workshops laufen inzwischen. Pünktlichkeit und fehlende Abwesenheit der Verantwortlichen ist dabei das größte Problem. Die Vereinssatzung, welche ich mit einigen Jugendlichen ausgearbeitet habe, muss auf dieses Problem spezialisiert werden. Ich fragte darum beim allgemeinen Meeting nach Vorschlägen für Lektionen für die Zuspätkommer. Die darauf folgenden Minuten frustrierten mich sehr und machten mir Ghanas Realität deutlich:
„Schläge mit dem Stock.“ – „Was?“. „Hinknien.“ – „Wofür?“. „An die Tafel stellen und von den Anderen dagegen drücken lassen.“ – „Ist das euer Ernst?“. Der Jugendclub ist da um euch zu bilden und euern Geist entfalten zu lassen. Ich bin hier um euch dabei zu helfen. Durch Schläge, Hinknien oder in die Ecke stellen; lernt ihr dadurch euren Kopf zu gebrauchen? Ich möchte euch nicht abhärten, ich möchte euch weiterbringen, euch helfen das nächste Mal mit Freuden pünktlich erscheinen zu sehen. Hier soll niemand Angst haben, ihr sollt frei denken können und lernen eure eigenen Ideen in die Tat umzusetzen. Wer hat mir einen Vorschlag, der euch lehrt euren Kopf einzusetzen?
„Geld zahlen.“ – „Bildet dich weiter?“. „Nach Hause schicken.“ – „Wem bringt das was?“. „Suspendieren.“ – „Gut, aber das schon wegen zu spät kommen?“. Ich möchte etwas hören was euch oder eure Umgebung bereichert, nicht unterdrückt!
„Den Raum fegen.“ – „Das klingt schon besser!“. „Das Gras kürzen.“ – „Kann man machen.“. Doch was ist mit euch? Bildung statt Strafe!
Ich erklärte ihnen, was wir in Deutschland für Methoden haben, wenn jemand zu spät kommt, oder nicht lernen will: Etwas in schöner Schrift wiederholt schreiben. Einen Aufsatz verfassen. In Englisch (was für alle in unserem Jugendclub eine Herausforderung ist) eine Erklärung vor der Gruppe abgeben. Einen Vortrag vorbereiten. Etwas Künstlerisches zum Thema malen/basteln. Oder Ähnliches, was Bildung und Kreativität fördert. Nicht ein Jugendlicher ist auf einen dieser Vorschläge gekommen. Hier existieren Strafen in dieser Form nicht.
Ich fragte sie, ob ihnen diese Ideen gefallen. Sie bejahten einheitlich. Ob sie wirklich verstanden haben, worum es mir ging, weiß ich nicht. Es wird ein langer Prozess sein, den Jugendlichen Ghanas ein freies Denken zu ermöglichen.
Liebe Leser, dies war ein Punkt an dem ich mir nicht weiter zu helfen wusste. Ich stand vor einer Gruppe Jugendlichen, die mir vorschlug, ich solle sie schlagen, wenn sie zu spät kommen. Ich bin hier Gast in einer anderen Kultur, ich sollte die Lebenswelt der Ghanaer respektieren. Respektieren, doch muss ich sie auch übernehmen? Was ist die Aufgabe unseres Jugendclubs? Wer kann mir hierbei weiterhelfen?
Wieder stoße ich an die Grenzen zwischen zwei Kulturen. Ich frage mich, ist es nicht verrückt? Erst kommen die „weißen Männer“, unterdrücken die Afrikaner und bringen ihnen bei, nichts Wert zu sein. Sie machen sie zu Sklaven und lehren ihnen, bei Nichtbeachtung ihrer Regeln werden sie Schläge des Besseren belehren. Jahrhunderte später kommen wieder „weiße Menschen“ nach Afrika. Diesmal verbreiten sie, das alle Menschen – egal welcher Kultur und Hautfarbe – gleich wertvoll sind. Sie fordern sie auf, frei zu denken und Schläge nicht als Strafe einzusetzen. Was sollen die Menschen in Afrika nun denken?
Damit möchte ich mein Zwischenfazit beenden. Ich ermuntere alle Leser, mir ihre Kommentare zu schicken. Sie interessieren mich sehr und können zum Austausch zwischen Kulturen sehr wertvoll sein.
Aus Ghana mit besten Wünschen,
Eure Alrun Schnabel
P.S. Schaut euch die Fotos gut an, in einem sind Buchstaben versteckt :-)
November 18, 2007 at 9:54 pm
Verfasst von Markus Maassen
…und die ASAO-Reise ging weiter…
wir besuchten auch an den folgenden Tagen viele Grundschule als auch Collèges (weiterführende Schulen). Leider konnten sich nicht bei allen Schulen die Direktoren daran erinnern, dass im Mai eine Ankündigung versendet wurden war, somit standen wir auch manchmal völlig alleine da. Oder manchmal war nur einige Kinder aus der Umgebung gekommen, um die viele Nassaras (Weiße) zu bestaunen.
In einem CSPS, das nahe einer Grundschule lag, spendete die Apothekerin der ASAO-Gruppe Medikamente für die Bevölkerung. Dazu wurden die Medikamente erstmal betrachtet und dann erklärt.
und dann gings weiter…
…und wir landeten in der Schule, auf die der heutige burkinische Botschafter in Berlin gegangen ist….
…und schließnlich erreichten wir die Schule von Dialgay. Ein großes Programm mit Ansprachen, Tanz, Gesang und großen Festessen wurde uns geboten.
Anmerkung:
Man sollte sich als deutscher Vize-Präsident der NRO die, die Schule finanziert hat, nicht wundern, dass während man eine Rede hält fast alle Zuschauer komentarlos verschwinden und 15 Minuten später wiedergekehren. Es war nicht etwa langweilig oder unhöflich von den Zuschauern gemeint, nein, es war einfach Punkt 18.00 Uhr
Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von der ASAO-Gruppe und fuhren zurück nach Ouaga.
November 12, 2007 at 10:05 am
Verfasst von Hannes Mehrer
Um unter anderem zwei Schulen im Westen den Landes einen Nachbesuch abzustatten sind wir letzte Woche in Richtung der zweitgrößten Stadt Burkinas, Bobo-Dioulasso aufgebrochen.
Nach drei Stunden auf dem Goudron (geteerte Straße) mussten wir noch einige Kilometer auf unwegsamerem Weg zurücklegen, um die erste Schule in Koussarou zu erreichen.
Hier besichtigten wir zuerst die Klassenräume und anschließend die vor zwei Jahren installierte Anlage.
Bei einem anschließenden Gespräch mit den Lehrern erörterten wir die bisherigen und in Zukunft darüber hinaus wünschenswerten Möglichkeiten der Nutzung des Panels. So soll das abendliche Licht nicht nur den Schülern und Lehrern der Schule, sondern auch den Dorfbewohnern in Form von Alphabetisierungskursen zu Gute kommen.
Im späteren Verlauf unserer Reise durften wir am Straßenrand in einem etwas abgelegenen Dorf über anderweitige Nutzung von Sonnenenergie freuen. Solch ein Anblick ist in Burkina leider noch nicht so häufig.
In einem nicht weit entfernten Städtchen wurde uns allerdings Mut gemacht: hier fanden wir tatsächlich einen Solar-Laden.
Weiter ging die Reise vorbei an Baumwollfeldern, die uns aber zu einem anderen Bericht führen…
November 7, 2007 at 5:58 pm
Verfasst von Markus Maassen
Mitte Oktober eröffnete für Hannes und mich als auch für usneren Freund Jonas (Zivi von AMPO), die Möglichkeit bei einer Reise der NRO ASAO mitzureisen.
Diese deutsche NRO (aus der Eifel!) führt jährlich mit Freunden und Bekannten des Vereins eine Nachbesuchsreise aller Schulen durch, die von ihnen erbaut wurden. Somit ging es für uns drei am Sonntag den 7. Oktober mit insgesamt neun anderen Deutschen und vier Burkinabés auf eine Reise durch die Region um Sagla, Koupela und Tenkodougou.
Wir besuchten am ersten Tag eine Schule, deren Gebäude von ASAO erbaut wurde. Hier werden wir feierlich empfangen, es werden kurze Gespräche geführt und Geschenke ausgetauscht.
Darauf fahren wir weiter zum Dorf Sagla, um dort am folgenden Tag eine neue Grundschule einzuweihen. Nachdem wir beim “ungewöhlich übertrieben freundlichen Naba” mit Champagne und Köstlichkeiten versorgt worden waren, schlugen wir in desen Hof unser Lager auf.
Am nächsten Tag ging es dann weiter…
…aber jedoch die Strecke wurde etwas schwieriger, doch der Chauffeur meisterte mit dem Bus alle Schwierigkeiten!
November 5, 2007 at 9:44 pm
Verfasst von Jörn Preuß
Rückblickend verging mein erster Monat in Komenda, Ghana, wie im Flug. Nach schleppendem Start und Schwierigkeiten sowohl im Jugendclub, als auch der Verständigung mit dem ghanaischen Vorstand scheint die Arbeit endlich zu fruchten. Der Kontakt zu den Jugendlichen ist sehr intensiv, das Interesse scheint gewachsen und Erfolge werden sichtbar. Ebenso im Vorstand und den Bemühungen unseres aktiven Projekt Managers Solomon Appiah.
Der Weg dorthin war sehr arbeitsreich. Dies wird am Beispiel des Graphik Workshops und dem Bedrucken unserer T-Shirts, besonders deutlich (an dieser Stelle der Dank an den SC Freiburg, welcher die Shirts großzügig sponserte!):
Ein junger Grafik Lehrer aus Komenda, Rexford, begleitete mich nach Cape Coast, um die Materialien für den Siebdruck zu besorgen. Dank der schnellen Reaktion von unserem Projektkoordinator Jörn aus Deutschland konnten wir im Internet Cafe unser AIM. Symbol ausdrucken und bei einem Graphik Meister belichten lassen.
Die 20 Minuten Wartezeit wurden schnell zu drei Stunden, wobei das außer mir niemanden zu wundern schien. Um anschließend die Farbe zu erhalten, war eine Einkaufsrunde angesagt, bis wir eine Frau an der Straßenecke fanden, die Farbe verkaufte (warum wir nicht in der Wartezeit eingekauft haben, weiß ich nicht, als ich von Farbe sprach, nickte mein Meister nur: Kriegen wir! Wobei er ja recht hatte …).
So viel zum ersten Teil des Timings. Der Zweite war der Workshop selber. Ich dachte mir: Bei Siebdruck rennen mir meine Jugendlichen die Bude ein. Pustekuchen! Um Drei Uhr war der Workshop angesetzt, ich war die einzige Interessentin. Nach mehreren Anrufen erschienen zwei Grafik Lehrer, die aber nach den ersten Drucken wieder gehen mussten und Ersatz sandten. Einen jungen, hoch motivierten Fließband-Drucker, der keinem anderen die Chance lassen wollte, das Sieb zu berühren, und dabei Flecken auf unseren schönen T-Shirts hinterließ.
Den ersten Jugendlichen, der kurz vor vier auftauchte, schickte ich gleich wieder los, um die anderen zu holen. Während die Jugendlichen nach und nach eintrudelten versuchte ich meine pädagogische Erfahrung in eine freundliche Erklärung an meinen Fließband-Drucker umzuformulieren, so dass den Jugendlichen die Möglichkeit gegeben wird, ihre eigenen Shirts selbst zu drucken. Das faszinierende war, keiner der Jugendlichen machte irgendwelche Versuche, zum Siebdruck durchzukommen. Mr. Fließband-Drucker wurden in großer Akzeptanz und Einvernehmen schweigend die blanken T-Shirts gereicht. Als meine Erklärungen zu ihm durchkamen, zog er ab und die Jugendlichen durften endlich selber ran.
Ich möcht mich an dieser Stelle bei meinem Siebdrucklehrer der BA (Berufsakademie), Herrn Hasdorf bedanken, der mir das Siebdrucken so beibrachte, dass ich es problemlos an die Jugendlichen weitergeben konnte. Zwei Stunden nach vereinbartem Zeitpunkt hatten es etwa 15 unserer Youth Club Member hergefunden und das Drucken verlief konzentriert und friedlich.
Nach dieser wiederholten Erfahrung der Unpünktlichkeit, erklärte ich meinen Jugendlichen, dass ich ab jetzt keinen von ihnen alleine kommen sehen will. Jeder soll auf dem Weg zu den Treffen möglichst viele einsammeln und gemeinsam mit anderen erscheinen. Dies fruchtete am darauf folgenden Tag, als mich kurz nach sieben schon einige Teilnehmer zur „Cleening Campaign“ erwarteten. Im Herzen Komenda’s, dem Lory Park (Allgemeine Bus- und Taxi“haltestelle“ sowie Marktplatz), kehrten wir Schubkarren voller Müll zusammen. Ein wichtiges Zeichen für alle Bewohner Komenda’s – doch zum bewussten Umgang mit Müll scheint es noch ein langer Weg. Abfall soll „ab“ jetzt ein „Fall“ zur Diskussion, statt ein „Fall“enlassen, wo man gerade steht, bedeuten!
Liebe Leser, was habt ihr für Ideen und Erfahrungen? Wie wird Komenda nachhaltig sauber gehalten? Wie wird den Bewohnern bewusst, wie viel hygienischer, attraktiver, gesünder und schöner ein sauberes Komenda ist?
Während der Jugendclub sich mehr und mehr zusammenrauft, wird auch unser AIM. Vorstand in Ghana aktiv. Leider ist nicht auf jeden Verlass, und unser großes Meeting musste aufgrund zu wenigen Anwesenden verschoben werden.
Doch unser Projektmanager Solomon scheint einen Fisch am Haken zu haben. Letzten Donnerstag fuhren wir gemeinsam nach Takoradi. Ziel: ein großes Unternehmen, welches mit Holz in der gesamten Region handelt. Nach einer Stunde Warten fuhr ein Auto vor: Mr. Awordwe, ein freundlicher, viel beschäftigter Ghanaer wurde mir als Solomons Freund vorgestellt, worauf er auch mein Freund wurde (ja, so macht man hier Freunde!). Ich muss euch aber auf die Folter spannen – mehr dürfen wir aber leider noch nicht berichten.
Im Anschluss ging es zum Radio: Melody FM – radio for decending minds! Ein vielgereister Journalist erwartete uns dort. Er versprach unser Projekt im internationalen Chataustausch einzubringen, was auf jeden Fall eine gute Publicity darstellt und evtl. Unterstützung bringen könnte. Dann fragte er, ob wir bereit für ein Interview fürs morgige Programm sind?!
Ups, schluck. Ich war noch nie im Radio und mein Englisch ist nun auch nicht grad zum veröffentlichen… Aber Gelegenheiten wie diese sollte man in Ghana nicht ausschlagen. Also erklärte ich mich gerne bereit, versuchte meine Nervosität herunterzuschlucken und befand mich wenig später vor laufendem Mikrofon. Solomon sprach mit einer Selbstverständlichkeit über unser Projekt, ich gab selber mein Bestes und durfte im Anschluss zwischen begeisterten Ghanaern noch Ansagen für Melody FM machen.
Tatsächlich lief am nächsten Tag im Nachmittagsprogramm ungekürzt unser Bericht. Was ich erstmal nicht verstehen konnte, war die überall aufkommende Frage, was wir dem Radio gezahlt haben? Dann die Überraschung in den Gesichtern bei der Antwort: Wir haben nichts bezahlt! Während es in Deutschland üblich, ist ein Interview auch einzukaufen, gibt es hier fixe Preise pro Minute für Ausstrahlungen von Interviews im Radio.
Was haltet ihr davon? Wie erklärt ihr euch diese unterschiedlichen Normen? Der Reiche hat das Wort? Wer sich’s leisten kann, geht zum Radio? Oder ist es eine Notwendigkeit der Sender ihre Existenz zu sichern?
Viele Fragen begleiten mich die Tage und doch bin ich zuversichtlich und überzeugt, wir sind auf einem guten Weg. Da sich 20 Minuten nicht selten zu drei Stunden entwickeln, lerne ich Geduld zu haben, mich auf das Vorgefundene einzulassen und durch Anregungen die deutsche Seite des Projektes bestmöglich zu vertreten.