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Archive for November, 2005

UNICEF – Fast die Hälfte aller Kinder weltweit lebt in Armut

Letzen Montag, dem internationalen Kindertag, legte die UNICEF einen neuen Bericht über die Lage der Kinder unserer Welt unter dem Titel „Kindheit in Gefahr“ vor.

Der Bericht kommt mit detaillierten Statistiken über verschiedene Faktoren wie Bildung oder den Kindersterblichkeitsraten sowie Reports über Not-Situationen von Kindern aus der ganzen Welt daher. So zählt die UNICEF 2.2 Milliarden Kinder weltweit und davon etwa 1.9 Milliarden Kinder in Entwicklungsländern, die dort den Hauptanteil der Bevölkerung stellen. Eine Milliarde Kinder leben in Armut – das ist mehr als die Hälfte.

Nun ist schon lange bekannt, dass in der dritten Welt Kinder unter Kriegen, Hunger, Krankheiten und mangelnder Zukunftsperspektiven leiden. Die UNICEF greift diese Probleme einzeln und äußerst detailliert auf und man muss nicht lange lesen, um festzustellen, dass afrikanische Länder wieder einmal die traurigen ersten Ränge einnehmen müssen.

Auch wenn man sich mit deratigen Rankings nur schwer anfreunden mag, da sie ja ein so schmerzvolles Thema beinhalten – sie sind nützlich bei der Koordinierung von Hilfesmaßnahmen und Ausrichtung einer entwicklungspolitschen Strategie. So stellt die UNICEF in einem Ranking über „Länder, in denen die Höchste Wahrscheinlichkeit besteht, dass Kinder vor ihrem 5. Geburtstag sterben“ fest, dass 8 dieser Länder in Afrika liegen, darunter Burkina Faso und Somalia.

Der Bericht bezeichnet die Fortschritte zum Erreichen einer Grundschul-Ausbildung für alle Kinder als „gemischt“. In allen Teilen der Welt geht es anhand der Zielstellungen voran, nur in Schwarzafrika müssen Defizite verzeichnet werden. Analphabetenraten sind immernoch erschreckend hoch, vor allem bei Mädchen. Diesen Kindern wird das Recht auf Bildung verwehrt, nur weil sie in einem armen Teil der Welt geboren worden.

In Sachen Lebenserwartung besetzt das ebenfalls afrikanische Sambia den hintersten Platz, mit kläglichen 33 Jahren. Während Industrieländer ihre Lebenserwartung durch moderne Medizin und Forschung immer höher schrauben, fällt Afrika mangels Grundversorgung an Wasser und lebensnotwendiger ärztlicher Versorgung weiter zurück.

Die UNICEF schätzt weiterhin, dass bis zu 15 Millonen Kinder weltweit mit HIV/AIDS infiziert sind und bringt gleich einen schrecklichen Vergleich dazu: geschätzte Anzahl der Kinder in Deutschland: 15,2 Millionen. Über 1,2 Millionen Kinder mit der Krankheit leben allein schon in den schwarzafrikanischen Ländern.

Blick in die Zukunft

Auch wird ein kritscher Blick auf den Stand der Milleniumsziele geworfen, sind doch alle 8 Ziele nicht zuletzt auch an die Kinder in Entwicklungsländern gerichtet. Nur fünf der insgesamt 192 Unterzeichnerstaaten haben die Weichen für das Erreichen der Milleniumsziele bis 2015 gestellt.

Wie soll sich also nun die Welt von Morgen bessern, wenn wir die Hälfte aller Kinder in der dritten Welt schon von Geburt an in Armut leben lassen und nichtmal für die Zukunft eine Besserung versprechen können?

Einer der letzten von wort-wörtlich zahlreichen Vergleichen in dem Bericht ist eine Schätzung auf die Summe, welche zum Erreichen der Milleniumsziele wohl von Nöten wäre: $40 – $70 Milliarden. Dagegen steht die Welt mit ihren Ausgaben für das Militär im Jahr 2003 mit insgesamt 956 Milliarden Dollar.

Wenn man dabei wütent auf die westliche Welt blickt, sollte man allerdings nicht vergessen, dass afrikanische Regierungen bei ihren Ausgaben wie am Beispiel der „Demokratischen Republik Kongo“ mit ihren 250 Millionen Dollar immerhin im Mittelfeld stehen (Schätzung von 1997, Quelle: GlobalSecurity.org)

weiterführende Informationen

> UNICEF – Lage der Kinder unserer Welt 2005 | Download PDF

> UNHCR – Konvention über die Rechte der Kinder von 1989

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WTO-Verhandlungen zur Verbesserung der afrikanischen Marktchancen

Vor vier Jahren wurde die DOHA-Declaration von den Mitgliedsstaaten der WTO in der Hauptstadt von Katar entwickelt. Ziel der jährlichen DOHA-Runde sind die Probleme der Entwicklungsländer im Zusammenhang mit dem Welthandel.

Zu Beginn der Runde im Jahr 2001 wurden folgende Themenbereiche auf die Agenda gesetzt:

  • einen verbesserten Marktzugang im Agarasektor schaffen
  • Abbau von Importquoten und Zöllen in Industrieländern
  • Subventionen und andere Protektionistische Maßnahmen der Industrieländer reduzieren
  • Patentrechte neu verhandeln, besonders in Bezug auf Medikamente (AIDS-Problematik)

Bis 2005 sollten dafür Lösungen gefunden worden sein.

“Die Doha-Runde als ‘Entwicklungsrunde’ zu bezeichnen, klingt für viele afrikanische Länder nach einem zynischen Scherz” meint Muthoni Muriu, panafrikanische Handelsberaterin bei Oxfam International. “Die reichen Länder haben die Agenda an sich gerissen und versuchen, so viel wie möglich für sich selbst herauszuholen. Was bisher angeboten wurde, wird Afrika schaden, nicht helfen.”

Afrikanische Staaten forderten bei der Verhandlungen eine Schutzzollpolitik für die eigenen Agarprodukte, um eigene Produktionskapazitäten zu schützen. Auf der anderen Seite ist der afrikanische Markt in den Produkten der Industrieländer hilfslos ausgesetzt, vor allem im Fall von Baumwolle.

Auch im Bereich des geistigen Eigentums, bei dem es vor allem um die Patentrechte für Medikamente zur Behandlung von Epidemien wie AIDS geht, gab es kaum Fortschritte.

Das TRIPS Abkommen schützt patentiere Produkte wie Medikamente, die in Afrika kostengünstig und zuverlässig hergestellt werden sollten. 2001 hat die DOHA-Runde beschlossen, dass durch das TRIPS Abkommen kein Staat daran gehindert werden sollte, Krisen im öffentlichen Gesundheitswesen zu bewältigen. Allerdings halten sich die entwickelten Nationen, vor allem die USA, bisher nicht ausreichend daran. Bei der DOHA-Runde im November diesen Jahres konnten auch in diesem Bereich keine Fortschritte erzielt werden.

Stattdessen wurden laut Oxfam Int. Afrikas Vorschläge „vom Tisch gefegt“. Der afrikanische Markt wird also weiterhin den Importen anderer Länder ausgesetzt sein und Exportschwierigkeiten wegen hoher Zölle im Ausland haben während das Ausland sich selbst wiederrum mit Zöllen absichert.

Mitte Dezember wird in Hongkong die Abschlußkonferenz zur DOHA-Declaration stattfinden. Und die Beobachter von Oxfam Int. sind schon jetzt der Ansicht, dass Afrika’s Chancen dadurch verschlechtert werden könnten.

Oxfam International kämpft mit seiner Kampagne make trade fair schon lange für die Rechte der Entwicklungsländer bei Verhandlungen der WTO.

Weiterführende Informationen

> Bericht von Oxfam als PDF (eng)

> Informationen zu den DOHA Verhandelungen beim Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft

> WTO.org – Doha Declaration explainded

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Ein Laptop pro Kind

Es gibt gute Nachrichten in der modernen Entwicklungshilfe! Auf dem Weltgipfel der Informationsgesellschaft in Tunis wurde vor wenigen Tagen ein interessantes Projekt zur Überwindung der digitalen Kluft gegenüber den Entwicklungsländern vorgestellt.

Der Gründer des renomierten MIT Labs (Massachusetts Institute of Technology), Nicholas Negroponte, stellte letzten Mittwoch zusammen mit Kofi Annan einen Laptop für nur 100 $ (85 €) vor.

Um Kindern in Entwicklungsländern die Möglichkeit zu bieten, an der Informationsgesellschaft teilzuhaben ist extrem günstige Hard und Software nötig. Software gibt es heute meist günstig oder kostenlos, so wird der MIT Laptop ausschließlich mit openSource Software betrieben.

Eine Intel-Expertin entwickelte einen besonders günstigen Bildschirm für das auch sonst sparsame aber robuste Gerät. Es ist klein und ohne Laufwerke ausgestattet. Wenn die Kurbel an dem Laptop eine Minute lang gedreht wird, wird Strom für die jeweils nächsten 10 Minuten erzeugt.

Die Enwickler versprechen sich verbesserte Lerntechniken durch eigenständige Interaktion und Erkunden der modernen Technik. “Diese robusten, vielfältigen Maschinen werden es Kindern ermöglichen, aktiver zu lernen”, meint Kofi Annan bei der Vorstellung des Laptops in Tunis. Mithilfe eines eingebauten WLAN-Moduls sind auch Internet-Recherchen und Kommunikation möglich.

Käuflich wird er Laptop nicht sein, die Kosten von 100 $ pro Gerät werden von Regierungen und NGOs gestellt. Laut den Entwicklern wurden ingesamt bereits eine Millionen Geräte von China, Brasilien, Thailand und Ägypten bestellt. Die Produktione soll allerdings erst ab einer Bestellmenge von fünf bis sechs Millionen Stück beginnen. Man hofft also noch auf das Interesse von NGOs und weiteren Staaten.

Die New Economy zeigt Engagement

Die eigens für den Laptop gegründete Organisation OLPC (One Laptop per Child) ist unter anderem durch eine 2 Millionen $ starke Spenden von Google zustande gekommen, ingesamt betrug das Budget ganze 10 Millionen $.

Auch Microsoft hat auf dem Weltgipfel in der ägyptischen Hauptstadt ein Projekt zur Ausbildung von IT-Lehrkräften, das sogenannte UP (Unlimited Potential), vorgestellt. 200 solcher Lernzentren sollen demnach in Tunesien entstehen. Zusammen mit der UNESCO sollen weitere Ländern mit solchen Einrichtungen ausgestattet werden.

Kritik am Tagungsort

Am Rande gab es allerdings Kritik am Weltgipfel in Hinsicht auf den Tagungsort Tunis, da die Meinungsfreiheit in Tuniesen als durchaus noch ausbaufähig gilt und die Zensur gerade im Internet seit Langem schon heftige Kriktk erntet. Aufgrund von Kritik an der tunesischen Regierung seitens der Organisation Reporter ohne Grenzen wurde deren Leiter Robert Menard kurzerhand bei der Einreise gestoppt. Ziel des Informations-Gipfels war nicht zuletzt auch die Verhinderung von Zensur in autoritären Staaten. Ein weiteres Ziel war die Hälfte der Menschheit bis 2015 online zu bringen - leider bleibt es denn Teilnehmerstaaten selbst überlassen, wie sehr sie sich in dieser Frage engagieren.

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Afrika und sein Reichtum

Man möchte es kaum glauben, aber Afrika gehört zu den rohstoffreichsten Regionen der Erde. Wo andere Länder durch derartige Vorteile wirtschaftlich profitieren, herrschen in Afrika Chaos und Ausbeutung.

Die Weltmächte nehmen den Kontinent ins Visier

Die Ölfelder der Welt werden in diesen Tagen bis zum Anschlag ausgepumpt. Schon lange haben die Öl-Konzerne ein Auge auf den schwarzen Kontinent geworfen. Im „Spiegel“ wird ein amerikanischer Kongressabgeordneter mit folgenden Worten zitiert: „Im letzten Jahr wurden weltweit acht Milliarden Barrel Öl gefunden, sieben davon lagen vor der Westküste Afrikas.“ Die USA haben hier natürlich ein großes Interesse, immerhin wird geschätzt, dass in Westafrika insgesamt etwa 100 Milliarden Barrel Öl liegt, das entspricht dem Volumen vom Irak.

Schon jetzt wird Westafrika als „eine der am schnellsten wachsenden Öl- und Gasquellen für den amerikanischen Markt“ gehandelt (Dick Cheney, Vizepräsident der USA). Umso besser, dass die westafrikanischen Staaten bis auf Nigeria nicht Mitglied in der OPEC sind, womit die USA von der arabischen Preispolitik unabhängig werden können.

Doch nicht nur die USA haben in Afrika eine Lösung für die Engpässe mit Versorgung des wichtigsten Rohstoffes der Weltwirtschaft gefunden. Längst hat auch eine weitere Supermacht den nötigen Treibstoff für sein Wirtschaftswachstum ausgemacht: China. Nachdem die US-Regierung den Sudan zum „Schurkenstaat“ erklärten, womit die amerikanischen Öl-Konzerne ihr Engagement dort aufgeben mussten, sprang die chinesische Regierung rasch ein. Schon bald soll die Fördermenge des Sudan auf 800.000 Barrel täglich steigen.

Der Gewinn fließt in den Machterhalt

Noch immer sind jedoch die afrikanischen Regierungen nicht in der Lage, diesen Reichtum vernünftig einzusetzen. So lässt sich Umar Al Bashir, Regierungsoberhaupt des Sudan, den Transfer zu 60% mit chinesischen Waffen entlöhnen, die dann in Krisenregionen wie Darfur eingesetzt werden. Die chinesischen Regierungsleute geben sich gleichgültig und pochen auf die Souveränität anderer Staaten: „Geschäft ist Geschäft.“

So ist es auch möglich, dass der UN-Sicherheitsrat zu keiner Verurteilung und Sanktionierungen für die Kriegsverbrechen der sudanesischen Regierung kommt, wenn die chinesische Regierung Gebrauch von ihrem „Veto-Recht“ macht.

„Die Bemühungen, afrikanische Staaten zu Demokratie und Transparenz zu zwingen, werden ad-absurdum geführt“, weist eine Studie der Stiftung Wissenschaft und Poltik aus: „politisch bedeutsam ist Chinas vehemente Verteidigung des Prinzips der staatlichen Souveränität, die dazu beiträgt, die Handlungsspielräume autoritärer Regierungen zu erweitern“.

Wirtschaftliche Ausbeutung macht es möglich, das korrupte und demokratiefeindliche Regierungen in Afrika gestärkt weiterleben können. Die Sanktionen der EU oder der UNO bleiben so nutzlos.

Die Bevölkerung hat meist wenig von diesen wirtschaftlichen Kooperationen. Ihre Regierung investiert in die Zementierung ihrer eigenen Macht und nicht zuletzt auch den Schutz der Förderanlagen. Rebellengruppen sehen in diesen einen besonders wunden Punkt der verhassten Herrscher und sprengen schon einmal die Pipelines und entführen oder töten die Mitarbeiter der Öl-Konzerne.

Doch Öl ist nicht alles: Tropenholz, Kupfer, Diamanten, Mangan und Gold gibt es in Afrika reichlich. Die internationale Menschenrechtsorganisation FIAN weist darauf hin, dass der Goldabbau in Ländern wie Ghana fatale Folgen für die umliegende Bevölkerung hat: Vernichtung von Agrarland, Verseuchung des Wassers und Misshandlungen der Anwohner durch Sicherheitspersonal.

Solange afrikanische Despoten die Rohstoffe ihres Landes zu niedrigsten Preisen an internationale Konzerne verkaufen und diese mageren Gewinne auch noch in ihren Machterhalt investieren wird es nicht ruhig werden in Afrika. Einige der Rebellengruppen fordern zu Recht, die Rohstoffe als Eigentum der gesamten Bevölkerung auch dieser zugute kommen zu lassen. Dann könnte man den Rohstoff-Reichtum des schwarzen Kontinents auch als eine Chance betrachten.

weiterreichende Informationen

> weltpolitik.net - Die Bedeutung der Erdölindustrie in Afrika

> Handelsblatt - Rohstoffvorkommen machen Investitionen attraktiv

> Mittwoch, 23.11.05, 21:35 Uhr bei ARTE reportage - Beitrag zum Thema “China’s Vormarsch auf Afrika

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